Filmarchiv

Absolut

Phantastische Verschwörungen

Spannender, angeblich auf einer wahren Geschichte basierender Polit-Thriller des Schweizers Romed Wyder.

Von Niklaus Schäfer

Der junge Globalisierungsgegner Alex versucht zusammen mit seinem Freund Fred, einen Virus in das Netzwerk einer Grossbank einzuschleusen und so den World Leaders Summit zu verhindern. Fred verfügt über das Know-how, während Alex der «inside man» ist – er arbeitet bei der Bank als Putzmann. Alles scheint wie am Schnürchen zu gehen, doch plötzlich verliert Alex das Bewusstsein. Als er aufwacht, findet er sich in der Rehabilitationsabteilung eines Spitals wieder.

Schon «Pas de café, pas de télé, pas de sexe» war ein dezidiert politischer Film. In seinem Erstling, der vor sechs Jahren ins Kino kam, erzählte Wyder die Geschichte einer Scheinehe und der Probleme, die eine solche mit sich bringt. «Absolut» nun ist ein spannender Polit-Thriller, der angeblich auf einer wahren Geschichte basiert. Im Abspann ist die Freundin des echten Alex zu sehen. Wie in «Der Untergang» wird hier versucht, mit dokumentarischen Aufnahmen die Authentizität des Films zu beschwören. Das gelingt hier allerdings nicht – zu phantastisch mutet die Geschichte um Verschwörungen und neue Technologien an. Wenig überzeugend wirkt auch vor allem Véronique Mermoud als Dr. König. Gleichzeitig ist es gerade das Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion, das den Reiz des Films ausmacht.

Etwas weniger Ballast hätte dem Film allerdings gut getan. Die Beziehungsgeschichte zwischen Alex, Fred und Alex’ Freundin Lucie wirkt eher skizzenhaft. Das ist schade, denn diese Dreiecksbeziehung beinhaltet wohl den Schlüssel zu einem tieferen Verständnis des Films: Alex und Fred flüchten sich in ihre Polit-Welt und schotten sich so von der wahren Welt der menschlichen Beziehungen ab.

Wie dem auch sei: Wyder ist ein politischer Filmemacher, von dem man noch einiges erwarten darf. Irgendwo zwischen dem deutschen Thriller «23», der im Hacker-Milieu der 80er-Jahre spielt, und Alain Tanners letztem Film «Paul s’en va» hat Wyder «Absolut» angesiedelt. Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass der Film (nur) in Deutschland und der Schweiz im Kino ausgewertet wird.

Regie Romed Wyder
Darsteller Vincent Bonillo, François Nadin, Irene Godel, Delphine Lanza, Véronique Mermoud, Ulysse Prevost
Buch Romed Wyder, Yves Murphy, Maria Watzlawick
Kamera Denis Jutzeler
Produktion Schweiz 2004
Dauer 94 Min.
Genre Thriller
Offical Site http://www.absolut-film.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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