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Elektra

Elektra-gisch

«Catwoman» hat gezeigt: Ein eng geschnürtes Korsett macht noch keine Heldin. Auch die Handlung sollte atemberaubend sein.

Von Hannes Nüsseler

2003 turnte Ben Affleck als speckiger Superheld «Daredevil» durch die Verfilmung der gleichnamigen Marvel-Serie. An seiner Seite trat erstmals auch Elektra (Jennifer Garner) im knappen Outfit auf und pikste die Schurken mit Schwertern, dünn wie Schaschlikspiesse. Da Elektra nur eine Nebenrolle besetzte, segnete sie das Zeitliche. Nun ist der Tod im Filmgewerbe ein ziemlich relativer Begriff, und so erstaunt es nicht, dass Garner jetzt wieder als Elektra auf die Leinwand zurückkehrt. Reanimiert wird sie von ihrem Lehrmeister, dem blinden «Stick» (Terence Stamp, bekannt als General Zod aus «Superman II»), auf dass sie im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse die Waagschale zugunsten der lichten Seite der Macht senke.

Stick unterweist seine Lieblingsschülerin in verschiedenen Kampfkünsten und der Technik des «Kigamure»: Elektra, mit überdurchschnittlichen Leibeskräften und einem verblüffenden Reaktionsvermögen ausgestattet, steigt erst durch die Gabe des Hellsehens in die Kategorie des Superheldentums auf. Leider aber fällt die impulsive Heldin ständig aus der Rolle, weshalb Stick sie zwecks Läuterung in die Verbannung schickt. Elektra ist zu Beginn des Films eine verbitterte Killerin, hyper-neurotisch und alles andere als ein Charme-Bolzen. Die Comicserie motiviert diese gallige Ader, die Elektra letztlich zur Gegenspielerin von Daredevil mutieren lässt, mit ihrer von Missbrauch und Gewalt geprägten Kindheit; der Film deutet die Traumata lediglich an.

Vor ihrem nächsten Auftrag spannt Elektra auf dem Land aus, wo sie den allein erziehenden Vater Mark (E. R.-Beau Goran Visnjic) und Töchterchen Abby (Kirsten Prout) kennen lernt. Dann wird Elektra über die Identität ihrer Nachbarn ins Bild gesetzt: Sie sind ihr neues Ziel. Elektras Gewissen regt sich zeitgleich mit ihrem Zorn, denn hinter der Familie sind auch die Bösewichte des asiatischen Geheimbundes «The Hand» her: Wo es die Comicfigur mit US-Geheimdiensten und korrumpierten Politikern aufnimmt, lässt Drehbuchautor Zak Penn («X-Men 2») die spröde Heldin gegen eine zusammengewürfelte Exotentruppe kämpfen. Die Psychologie der Figuren bleibt fadenscheinig, der digitale Zauber hausbacken, die Heldin zweitklassig: Abby, das naseweise Gör, stiehlt Elektra mehr als einmal die Show.

Regie Rob Bowman
Darsteller Jennifer Garner, Terence Stamp, Goran Visnjic
Buch Zak Penn, Stu Zicherman, Raven Metzner
Kamera Bill Roe
Produktion USA 2005
Dauer 96 Min.
Genre Action, Fantasy
Offical Site http://www.ascot-elite.ch/elektra

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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