Filmarchiv

Hostage

Angeknackster Held

Bruce Willis gerät zwischen die Fronten von Action-Blockbuster und Psycho-Thriller.

Von Hannes Nüsseler

Bruce Willis, der unangefochtene Platzhirsch des intelligenten Baller-Kinos, ist zurück. Der Einstieg ist klassisch: Willis spielt Jeff Talley, einen kaltblütigen Cop, der sein Verhandlungsgeschick bei Geiselnahmen unter Beweis stellt. Langhaarig und -bärtig, mit stahlblauem Blick, liegt Talley auf einem Hausdach und verhandelt. Kein Grund zur Besorgnis. Oder doch? Als Talley den Schauplatz des Verbrechens stürmt, ist alles vorbei: Die Opfer, eine Mutter und ihr Kind, sind exekutiert, der Täter hat sich selbst gerichtet. – Ein Jahr später schiebt Jeff als Kleinstadtpolizist mit kahl geschorenem Büsserkopf eine ruhige Kugel. «Low crime» lautet die Devise, nur keine Verwicklungen. Jeff hadert mit sich und der Welt.
Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als drei sozial verwahrloste Kids ihr Augenmerk auf das Protzauto bzw. auf die Tochter von Buchhalter Walter Smith (Kevin Pollak) richten. Die Jungs folgen dem Witwer bis zu einer abgelegenen Villa in den Bergen, die mit High-Tech-Schnickschnack und Videoüberwachung ausgestattet ist. Es kommt wie es kommen muss, der Buchhalter, seine Tochter und sein Sohn geraten in die Gewalt der Einbrecher. Jeff Talley ist zur Stelle, hält sich aber vornehm zurück, als der Sheriff übernimmt. Leider steckt in der Villa mehr als nur Geld. Eine kriminelle Organisation ist hinter Daten her, die Smith auf einer DVD abgespeichert hat. Ausgerechnet Jeff soll mit den Geiselnehmern verhandeln und die Daten heimlich aus dem Haus schmuggeln. Die Hintermänner haben ein überzeugendes Druckmittel: Jeffs Frau und Tochter.
«Hostage» ist ein Action-Thriller mit Film-Noir-Einschlag. Willis verkneift sich den Körpereinsatz und führt stattdessen ein gewagtes und psychologisch nicht immer stubenreines Doppelspiel. Der Held wider Willen zeigt Nerven und gerät auch ethisch in Schieflage: Für seine Familie würde Jeff alles tun, aber setzt er dafür auch das Leben der Smiths aufs Spiel? Zuletzt geht die Villa in Rauch auf, ein Bruce-Willis-Standard seit der Explosion des Nakatomi-Towers in «Die Hard». Doch wird das reichen, um Jeffs Seele, geschweige denn seine Familie zu retten?

Regie Florent Emilio Siri
Darsteller Bruce Willis, Rumer Willis, Kevin Pollak, Jonathan Tucker
Buch Doug Richardson, nach dem Roman von Robert Crais
Kamera Giovanni Fiore Coltellacci
Produktion USA, Deutschland 2005
Dauer 114 Min.
Genre Action, Thriller, Drama
Offical Site http://www.miramax.com/hostage/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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