Filmarchiv

Alfie

Das Kino als moralinsaure Anstalt

Charles Shyer legt ein biederes Remake des gleichnamigen britischen Klassikers vor – mit Jude Law in der Hauptrolle, die vor 39 Jahren Michael Caine spielte.

Von Niklaus Schäfer

Alfie (Jude Law) lebt in Manhattan und ist ein charmanter Engländer, der jede Frau rumkriegt. Sobald die Frauen dann mehr als nur Sex wollen, verzieht sich Alfie wieder, auf der Suche nach einer neuen Gespielin. Selbst seinem besten Freund, dem Afroamerikaner Marlon (Omar Epps), spannt er die Freundin (Nia Long) aus. Interessant findet er auch eine reife (sprich: ältere) Geschäftsfrau, gespielt von Susan Sarandon. Ganz klar: Alfie kennt keine Grenzen – ein klarer Fall für Hollywood.

Jude Law wäre an sich eine ideale Besetzung für die Rolle des Playboys, doch einerseits ist das Drehbuch zu schlecht, andererseits ist Charles Shyer, der Regisseur von «Father of the Bride» (wie «Alfie» ein Remake) und «The Affair of the Necklace», die falsche Wahl. Letztlich bleibt «Alfie» ganz in der Vergangenheit verhaftet – Alfie mag zwar kein schlechter Kerl sein, und doch ist Marlon, sein bester Freund, eine so herzensgute und treue Seele, dass Alfies Treiben daneben als geradezu teuflisch erscheint.

Was vom Film übrig bleibt, ist ein mässig amüsantes, streckenweise geradezu langweiliges Werk, das zwar inhaltlich und ästhetisch hoch hinaus will, letztlich aber eben doch nur bieder und routiniert bleibt. Zudem merkt man, dass Shyer hier ausserhalb seines Kerngeschäftes arbeitet – die nicht sonderlich inspirierte Musik von Dave Stewart und Mick Jagger kann da auch nichts mehr retten. Insofern ist der «Alfie» durchaus mit «Closer» (ebenfalls mit Jude Law) vergleichbar, der auch jung, hip und tief schürfend sein will. Das erklärt vielleicht auch, weshalb die schon nicht mehr ganz taufrischen Herren Stewart (Ex-Eurythmics) und Jagger (Rolling Stones) die Songs zum Film geschrieben haben. Interessanterweise basieren «Alfie» und «Closer» auf Theaterstücken. Doch gerade die Monologe in «Alfie» langweilen auf die Dauer nur. Es ist ein zutiefst konservatives Lehrstück, in dem es nur darum geht, dem jungen Alfie die Grenzen aufzuzeigen – und dies ohne jegliche ironischen Seitenhiebe. Die schwachen weiblichen Charaktere sind ebenfalls verräterisch – dem Film geht es offenbar nur um Alfies Seelenheil.

Regie Charles Shyer
Darsteller Jude Law, Marisa Tomei, Nia Long, Susan Sarandon, Omar Epps, Jane Krakowski, Sienna Miller
Buch Elaine Pope, Charles Shyer, nach dem Stück von Bill Naughton
Kamera Ashley Rowe
Produktion Grossbritannien, USA 2004
Dauer 103 Min.
Genre Komödie, Drama
Offical Site http://www.alfiemovie.com

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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