Filmarchiv

Around the World In 80 Days

Eine kleine Welt

Mit Jackie Chan, dem Buster Keaton des asiatischen Prügelfilms.

Von Hannes Nüsseler

Das Umrunden des Erdballs in exakt 80 Tagen ist zu Queen Victorias Zeiten Gegenstand einer Wette zwischen Gentlemen: Gereist wird mit typisch britischem Understatement, französischem Diener und imperialen Fortbewegungsmitteln; wechselnde exotische Szenerien erfreuen das Auge, Prinzessinnen mit inbegriffen; ein übereifriger Polizist, der sich auf der Spur eines Bankräubers wähnt, wird abgehängt; und zuletzt beschert das Überschreiten der Datumsgrenze einen zusätzlichen Tag, der den Gewinn der Wette ermöglicht. So, ungefähr, hat sich das Jules Verne in seinem 1873 erschienenen Abenteuerroman ausgemalt.
2004, in post-kolonialen, post-feministischen und -modernen Zeiten, haben sich die Parameter entscheidend verschoben. Das britische Imperium hat sich in Wohlgefallen aufgelöst, die Peripherie das Zentrum erschüttert. So initiiert in Frank Coracis Verfilmung von «In 80 Tagen um die Welt» Jackie Chan als pseudo-französischer Diener Passepartout die Wette, während Erfinder-Gentleman Phileas Fogg (Steve Coogan) nur noch als Pausenclown hinterhertölpelt. Chan, der Buster Keaton des asiatischen Prügelfilms, mimt den grimassierenden Handlanger mit der ihm eigenen Mischung aus Gutmütigkeit und Athletik und tritt damit die Nachfolge des mexikanischen Action-Komödianten Cantinflas an, der bereits in den 50er-Jahren als Passepartout für einen Stierkampf in die Arena stieg. Indem der nebensächliche Bankraub aber zur selbstlosen Mission geadelt wird, erscheint die Wette selbst unter veränderten Vorzeichen: Die Reise ist nunmehr Mittel zum Zweck, Passepartout nutzt sie, um eine entführte Buddhastatue in sein Heimatdorf zurückzubringen und gegen Kung-Fu-Banden zu verteidigen. Dafür hilft er Fogg, dessen korruptem Widersacher eins auszuwischen.
Selbst die weibliche Begleitung begibt sich unaufgefordert auf Reisen. Nicht als orientalische Prinzessin, sondern als liberale Künstlerin Monique (Cécile de France), die dem Dämlack Fogg sogar bis ins Jacuzzi eines türkischen Despoten (Arnold Schwarzenegger vor seiner Wahl zum Gouverneur) folgt: Da sitzt er, in all seiner Pracht, und setzt der beschwipst-beschwingten Trottelei die überdimensionierte Perücke auf: Die Welt ist klein.

Regie Frank Coraci
Darsteller Jackie Chan, Steve Coogan, Robert Fyfe, Jim Broadbent, Kathy Bates, Arnold Schwarzenegger
Buch David N. Titcher, David Benullo, David Andrew Goldstein, nach dem Roman von Jules Verne
Kamera Phil Meheux
Produktion USA, Deutschland, Irland, Grossbritannien
Dauer 125 Min.
Genre Abenteuer, Komödie, Action

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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