Filmarchiv

5 x 2

Früher wird alles besser

François Ozon verfolgt in fünf Episoden eine gescheiterte Beziehung zurück zu ihren Anfängen.

Von Georges Wyrsch

In den letzten Jahren sind etliche Filmemacher auf die Idee gekommen, ihre Geschichten nicht mehr chronologisch, sondern umgekehrt vom Schluss gegen den Anfang hin zu erzählen. Zum Teil mit eindrücklichen Ergebnissen: Christopher Nolan unterlief in seinem Thriller «Memento» die Logik der Kriminalgeschichte und führte das Publikum im Gegenuhrzeigersinn dem Ursprung eines Verbrechens entgegen. Gaspard Noë beanspruchte dieselbe Technik in «Irreversible», um anhand einer Vergewaltigung in der Mitte seines Films darzulegen, dass nach einem solchen Gewaltakt nichts mehr so sein kann wie vorher.
In «5 x 2» hat sich nun auch der renommierte François Ozon («Swimming Pool», «8 Femmes») dem Rückwärtsgang verschrieben. In fünf Segmenten à 20 Minuten verfolgt er ein gescheitertes Paar von der Trennung weg und führt die zwei über die Jahre zurück, ihrem ersten Treffen entgegen. Einmal mehr geht es ihm dabei um den Topos der Unausweichlichkeit – denn je länger man den beiden zuschaut, umso mehr weiss man über all die Dinge Bescheid, die ihnen in ihrer Zukunft noch alle blühen werden. Dieses Unbehagen kontrastiert allerdings mit dem Umstand, dass der Film «5 x 2» im Verlauf seiner Dauer immer leichter und unbeschwerter wird – denn immer sorgloser werden seine Protagonisten.
Durch diese Strategie entstehen vor allem in der zweiten Hälfte des Films einige starke Momente – nicht zuletzt, weil die beiden Hauptdarsteller Valeria Bruni Tedeschi und Stéphane Fleiss alles daran geben, die rückläufige Entwicklung ihrer Figuren bis ins Detail zu charakterisieren. Aber trotzdem ist «5 x 2» bei weitem nicht der starke Film, der er hätte sein können. Stellt man sich nämlich die einzelnen Ausschnitte in ihrer chronologischen Reihenfolge vor, so ergibt sich daraus eine langwierige, schwerfällige, eher schlecht geschriebene und ausserdem weitgehend zusammenhangslose Geschichte mit mässig interessanten Figuren.
Offensichtlich zählt hier das Experiment mehr als sein Inhalt, und dementsprechend wirkt «5 x 2» im Endeffekt wie der Abschlussfilm eines allzu gelehrigen Filmschülers. Dabei hat sich Ozon diese Sporen längst abverdient, und seine formale Verspieltheit hat sich in anderen Genres weit besser bewährt als in demjenigen des Psychodramas.

Regie François Ozon
Darsteller Valeria Bruni Tedeschi, Stéphane Freiss, Géraldine Pailhas
Buch François Ozon, Emmanuèle Bernheim
Kamera Yorick Le Saux
Produktion Frankreich 2004
Dauer 90 Min.
Genre Drama
Offical Site http://www.francois-ozon.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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