Filmarchiv

Feux rouges

Morgen. Grauen.

Eine nächtliche Autofahrt wird in diesem verstörenden Thriller für ein Ehepaar zum Debakel.

Von Georges Wyrsch

Wer mit dem Namen Georges Simenon lediglich die unzähligen «Maigret»-Krimis in Verbindung bringt, übersieht, dass der Romancier nebenbei auch eine ganze Reihe von äusserst persönlichen Werken verfasst hat. Entsprechend gab es immer wieder Filmemacher, die sich dieser Bücher angenommen haben – teils erfolgreich («Monsieur Hire» von Patrice Leconte), teils erfolglos («Trois chambres à Manhattan» von Marcel Carné).
Der zurzeit hoch gehandelte Regisseur Cédric Kahn macht sich nun seinerseits daran, ein intimes Werk des literarischen Giganten in filmische Form zu pressen. Dazu hat er sich die Geschichte eines Ehepaars ausgesucht, das während einer nächtlichen Autofahrt in Richtung Südfrankreich in eine Beziehungskrise schlittert und anschliessend noch weit unangenehmere Erfahrungen macht.
Mit Jean-Pierre Darroussin und Carole Bouquet verfügt Kahn dabei über zwei Schauspieler, deren subtiles Spiel allein «Feux rouges» sehenswert macht. Präzise gibt Darroussin den frustrierten Ehemann, der zu Beginn des Films seinen Arbeitstag mit einem gemütlichen Feierabendbier beschliesst, dem allerdings noch etliche weitere, immer unkontrollierter einverleibte alkoholische Getränke folgen. Und je verschwommener der Blick Darroussins im Verlauf des Films wird, desto klarer, genervter, ja angeekelter, wird der Gesichtsausdruck von Bouquet.
Eine Explosion zwischen den beiden scheint unvermeidlich, und sie tritt alsbald ein. Die Frau verschwindet bei einem Raststättenaufenthalt. Der angetrunkene Mann tut, was in seiner eingeschränkten Macht steht, um sie wieder zu finden. Dabei entspinnt sich allerdings nicht nur eine Verfolgungsjagd, sondern eine regelrechte Tragödie. Und das Erwachen wird grausam sein.
Cédric Kahns Erzählweise ist zwiespältig. Er betrachtet sein aufgeriebenes Paar nicht so ausführlich, um daraus psychologische Feinheiten abzuleiten, sondern es geht ihm bei aller Menschlichkeit um Spannung (in «Feux rouges» noch effizienter als in seinen früheren Werken) – und letztendlich um Horror. Der oft zitierte Spruch «L'enfer, c'est les autres» von Jean-Paul Sartre wird hier konsequent durchexerziert.
Hinzugefügt wird diesem Kraftakt ein ratloser und billiger Schluss, der in seiner scheinheiligen Verklärung des Gezeigten nichts anderes tut, als das Unbehagen der Zuschauer zu vervollständigen.

Regie Cédric Kahn
Darsteller Carole Bouquet, Jean-Pierre Darroussin, Vincent Deniard
Buch Cédric Kahn, nach einem Roman von Georges Simenon
Kamera Patrick Blossier
Produktion Frankreich 2004
Dauer 105 Min.
Genre Thriller, Drama
Offical Site http://www.feuxrouges-lefilm.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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