Von Niklaus Schäfer
Was für Steven Spielberg die Kinder, sind für den französischen Regisseur Jean-Jacques Annaud die Tiere. Vor 16 Jahren hat Annaud die Welt der Bären filmisch eingefangen. Jetzt sind die Tiger Indochinas an der Reihe. Gegen ein solches Sujet ist nichts einzuwenden – es ist die klischeehafte Darstellung der menschlichen Protagonisten, die in «Two Brothers» stört. Durch ihren Eingriff werden die zwei süssen Tiger-Jungen Kumal und Sangha getrennt. Der Jäger Aidan McRory (Guy Pearce) zieht den kleinen Kumal liebevoll auf. Kumal wächst beim kleinen Raoul (Freddie Highmore), dem Sohn des Gouverneurs (Jean-Claude Dreyfus), auf, während Sangha an den Zirkus verkauft wird. Der Film spielt in Indochina, dem heutigen Vietnam, im Jahr 1920. Während der Engländer Aidan McRory als guter Kolonialist dargestellt wird, gibt der französische Gouverneur eine lächerliche Figur ab. Er hat seine Untergebenen nicht im Griff und muss sich beim einheimischen Provinzfürsten einschmeicheln. Der Film wurde in Englisch gedreht; ein englischsprachiger Held drängte sich also auf. Aber auch die italienischen Zirkusleute und die Einheimischen sind sehr klischiert gezeichnet.
Die Tiger sind eine Metapher für Indochina: Wenn der Jäger und der junge Raoul die Tiger am Schluss freilassen, ohne zu wissen, ob diese ihre Kraft gegen die Menschen verwenden werden, dann erinnert das an die Angst der Kolonialherren vor der Rache der Kolonisierten. Zugleich stehen die Tiger für ein besseres Indochina. Annaud selbst hat seinen Militärdienst im Kamerun absolviert: «Durch dieses Land brach alles in mir auf, was ich kaschieren wollte – ich entdeckte in dieser afrikanischen Welt das Brodeln der Triebe.» Die Kolonialzeit findet Annaud «sehr amüsant». Das erscheint geradezu pietätlos angesichts der Verbrechen des Kolonialismus. Aber Annaud ist eben ein knallharter Mainstream-Regisseur, der keine Rücksicht auf politische Sensibilitäten nimmt. «Seven Years in Tibet» etwa hat den Nazi-Bergsteiger Heinrich Harrer verherrlicht. «Two Brothers» mag zwar ideologisch fragwürdig sein, aber unterhaltsam ist der Film allemal.
| Regie |
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Jean-Jacques Annaud |
| Darsteller |
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Guy Pearce, Jean-Claude Dreyfus, Philippine Leroy Beaulieu, Freddie Highmore, Moussa Maaskri, Vincent Scarito, Maï Ahn Lê u.a. |
| Buch |
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Alain Godard, Jean-Jacques Annaud |
| Kamera |
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Jean-Marie Dreujou |
| Produktion |
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Frankreich, GB 2004 |
| Dauer |
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105 Min. |
| Genre |
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Abenteuerfilm |
| Offical Site |
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http://www.deuxfreres.com/ |
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