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Filmarchiv
Les choristes
Die Macht der Sangeskraft
Musikalische Nostalgie und humanitäres Gedankengut bestimmen überzeugend den von Arthur Cohn produzierten Überraschungserfolg.
Von Georges Wyrsch
Bereits mehr als sieben Millionen französische Zuschauer haben «Les choristes» von Christophe Barratier gesehen; einen unkomplizierten Film über einen Musiklehrer (Gérard Jugnot), der seine schwierigen Internatsschüler mit selbst geschriebener Chormusik erst zu begeistern und dann zu erziehen vermag. Die Handlung als solche ist nicht sonderlich originell: Varianten davon finden sich in so unterschiedlichen Filmen wie «Mr. Holland’s Opus» (1995) und «The School of Rock» (2003), in dem der Musiker Jack Black eine elektrische Gitarre als pädagogische Hilfsmassnahme in Anspruch nahm. «Les choristes» inspiriert sich allerdings an einem viel älteren und weniger bekannten Modell: «La cage aux rossignols» von Jean Dréville (1945). Die Verwandtschaft der beiden Filme wird verdeutlicht durch den Umstand, dass auch das Remake im Nachkriegsfrankreich der Vierzigerjahre angesiedelt ist.
Nostalgie als Erfolgsrezept
Alles andere als diese Beibelassung des Zeitpunkts hätte laut Christophe Barratier gar keinen Sinn gemacht. Und diese Aussage glaubt man ihm gern – «La cage aux rossignols» ist als Film derart unverrückbar in seiner Zeit verankert, dass eine Versetzung in die Gegenwart jegliche Bezugspunkte zum Original hätte fallen lassen müssen. Und vor allem wäre das eigentliche Erfolgsrezept von «Les choristes» im Falle einer Aktualisierung des Stoffes gar nicht mehr anwendbar gewesen: Das Heraufbeschwören einer «guten, alten Zeit», in der «die Welt noch in Ordnung war». Beziehungsweise das Heraufbeschwören einer guten, alten Zeit, in der es noch möglich war, Filme zu drehen, die zu wagen behaupteten, die Welt sei in Ordnung; und wenn nicht, dann lasse sie sich mit einer Partitur und einem Dirigentenstock geradebiegen. «Les choristes» ist so ungehemmt klischeebeladen, naiv und sentimental, wie es ein französischer Film schon lange nicht mehr sein durfte. Und mit seinem überwältigenden Erfolg bestätigt er einen Trend, der sich seit «Le fabuleux déstin d'Amélie Poulain» und dem Dokumentarfilm «Être et avoir» abzuzeichnen beginnt: Auch die Franzosen wollen wieder ihr eigenes Wohlfühlkino mit einer kräftigen Portion Augenwischerei.
Chorgesang als läuternde Kraft
Der Bedarf ist wieder da nach einem gutmütigen und aufmerksamen Lehrer, der sich gegen die autoritären und manchmal zweifelhaften Methoden eines Internatsdirektors durchsetzt und eine Bande von zerzausten Strolchen allein durch unaufdringliche musikalische Motivation (sowie mit der Botschaft «gepetzt wird nicht») in lammfromme Sängerknaben verwandelt. Der Bedarf ist also wieder da nach einer vorbildlichen Figur, die dem französischen Kino grob gesagt seit Jean-Luc Godard und François Truffaut abhanden gekommen ist. Der Film «Les choristes» funktioniert deshalb so hervorragend, weil er seine eigene Niedlichkeit nicht verleugnet, weil er den Glauben an das Gute im Menschen ohne Hemmungen an die Wandtafel zeichnet, und nicht zuletzt, weil er bei aller pädagogischen Vereinfachung dem thematisierten Chorgesang den gebührenden Platz einräumt. Hinzu kommt die immer nuancierter werdende Mimik von Gérard Jugnot, der sich hier einmal mehr als kantenloser Sympathieträger gefällt, ohne deswegen unbescheiden zu wirken. Auch der Soundtrack zum Film hat es in Frankreich übrigens in die Hitparaden geschafft.
| Regie |
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Christophe Barratier |
| Darsteller |
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Gérard Jugnot, Jean-Baptiste Maunier, François Berléand, Jacques Perrin |
| Buch |
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Christophe Barratier, Philippe Lopes-Curval |
| Kamera |
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Dominique Gentil, Carlo Varini |
| Produktion |
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Frankreich, Schweiz 2004 |
| Dauer |
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95 Min. |
| Genre |
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Dramatische Komödie |
| Offical Site |
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http://www.film.de/moviespecials.php/id/1197/ |
© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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