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Bandits

Bandits

Von Christoph Racz

Anstatt auf dem jährlichen Polizeiball die Uniformierten mit Schunkel-Schlagern in den feuchtfröhlichen Feierabend zu trällern, ergreift die weibliche Knastband «Bandits» die Flucht. In Hamburg wartet ein Schiff mit Reiseziel Guayana auf das Quartett. Doch ein konspiratives Interview im Fernsehen und ein findiger Plattenproduzent machen Luna (Jasmin Tabatabai), Emma (Katja Riemann), Angel (Nicolette Krebitz) und Marie (Jutta Hoffmann) über Nacht berühmt und Kommissar Schwarz (Hannes Jaenicke) ist ihnen daher noch dichter auf den Fersen.

Katja von Garnier hat sich nach ihrem Überraschungserfolg «Abgeschminkt» drei Jahre Zeit für «Bandits» gelassen. Vielleicht brauchte sie die Monate, um sich Filme von anderen anzugucken? Die Autorin und Regisseurin schielt jedenfalls so intensiv über den grossen Teich zu grossen Vorbildern, dass der eigene Film nur noch eine schiefe Kopie wird. «Bandits» bedient sich unübersehbar grosszügig bei Klassikern wie «Bonnie and Clyde», «Thelma and Louise» oder «Blues Brothers». «Bandits» ist eher eine Kompilation von Videoclips als ein Film. Mit wackliger Kamera und rasanten Schnitten werden für die MTV-Generation Musiknummern zur Spielfilmlänge aneinandergereiht.

Das bisschen Handlung, das die Clips der bluesrockigen Banditinnen zusammenhalten soll, wirkt in der geballten Anhäufung von Sozialkitsch, platter Justiz- und Polizistenschelte und klischiert wachsender Frauenfreundschaft nur peinlich. Ohnehin wäre das Etikett «Frauenfilm» für «Bandits» bloss ein Missverständnis. Denn so wie Torsten Breuer die Kamera auf die attraktiven Darstellerinnen richtet, so wird auch im durchschnittlichen Kino der männliche Blick bedient.

Schauspielerisch werden alle Beteiligten unter ihrem Talent gefordert. Immerhin überraschen Riemann, Krebitz und Tabatabai positiv als Sängerinnen und Musikerinnen und auch ein Grossteil der solide rockenden «Bandits»-Kompositionen geht auf das Konto der begabten jungen Frauen. Katja von Garnier aber hat mit ihrer zweiten Regiearbeit enttäuscht. Vorläufig ist die Schminke ab.

Regie Katja von Garnier
Buch Katja von Garnier, Uwe Wilhelm
Kamera Torsten Breuer
Musik Peter Weihe, Udo Arndt, Volker Griepenstroh
Produktion D 1997
Dauer 108 Min.
Genre Komödie/Krimi

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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