Filmarchiv

Nathalie

Fantastischer Sex

Eine Frau heuert für ihren Ehemann eine Prostituierte an und erneuert damit ihr eigenes Begehren.

Jana Ulmann

Die Regisseurin Anne Fontaine («How I Killed My Father») bringt in ihrem neuen Film «Nathalie» drei französische Stars auf der Leinwand zusammen. Fanny Ardant und Gérard Depardieu als Ehepaar und Emmanuelle Béart in der Titelrolle bestehen mit knisternder Leinwandpräsenz. Gegen dieses Knistern kommt der Plot nicht an und spult stattdessen in der Mittelmässigkeit. Dabei ist die Ausgangslage durchaus viel versprechend.
Catherine (Fanny Ardant), eine schöne, elegante und gebildete Frau, entdeckt eines Tages, dass ihr Ehemann Bernard (Gérard Depardieu) sie hin und wieder betrügt. Die erotische Anziehung zwischen den beiden ist im Schweigen versunken, auch ihre bürgerliche Wohlstandswelt hilft da nicht darüber hinweg. Für Bernard sind seine Seitensprünge unwichtig, schliesslich liebt er seine Frau. Catherine verletzt diese Sichtweise ihres Ehemanns tief, und so heuert sie in einer Bar die Prostituierte Marlene (Emmanuelle Béart) an. Marlene soll Bernard verführen und ihrer Auftraggeberin über jedes Detail der intimen Begegnungen erzählen. Die beiden Frauen reden bei ihren Treffen über Sex und entwickeln dabei, in ihrer Fantasie, eine eigentliche Figur: Nathalie, Luder und Heilige gleichzeitig, gespielt von Marlene. Die Erzählungen von Nathalie alias Marlene über ihre erotischen Abenteuer mit Bernard sprechen die sexuellen Fantasien von Catherine offenbar an und sorgen letztlich dafür, dass diese ihr Begehren und die Sexualität neu entdeckt.
Anne Fontaine richtet mit ihrem Film die Aufmerksamkeit auf das Begehren, die Fantasie und den Sex von älteren Frauen – im Kino selten genug ein Thema. Diesen Bonus verschenkt sie mit einem Plot, der sich von Klischee zu Klischee hangelt und dessen Auflösung spätestens ab der Mitte des Films jedem klar geworden sein dürfte. Unklar bleibt an der Sache, warum Catherine das Spiel von Marlene nicht früher durchschauen will. Zwischen den beiden Frauen herrscht die seltsame Ökonomie der Lust, und die hat ihre eigenen Regeln. Die ganzen Konstruktionen, Projektionen und Fantasien sind etwas langatmig geraten, dennoch flackert durch die Konstellation Ardant, Béart, Depardieu in kurzen Augenblicken so etwas wie wahrhaftiges Begehren auf.

Regie Anne Fontaine
Darsteller Fanny Ardant, Emmanuelle Béart, Gérard Depardieu
Buch Anne Fontaine, Jacques Fieschi, in Zusammenarbeit mit François-Olivier Rousseau
Kamera Jean-Marc Fabre
Produktion Frankreich 2003
Dauer 105 Min.
Genre Beziehungsdrama
Offical Site http://www.frenetic.ch

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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