Filmarchiv

Baise-moi

Blutiger Rachefeldzug

Virginie Despentes zeigt weibliche Identitätssuche als brutalen Rachefeldzug an den Männern.

Von Jana Ulmann

"Baise-moi" (official site) basiert auf dem gleichnamigen Roman der jungen, französischen Autorin Virginie Despentes. Für den Film hat sie nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern auch (zusammen mit Coralie Trinh Thi) Regie geführt. Nach Despentes eigenen Worten sollen Buch wie Film so etwas wie die kriegerische Vorstellung eines Feminismus avant-gardiste mit dem sicheren Geschmack für Provokation vermitteln. Davon kann man Despentes eigentlich nur eines zugestehen: "Baise-moi" provoziert, über alles andere kann man streiten.

Trotz feministischer Ansprüche müssen Despentes' Hauptfiguren Nadine (Karen Bach) und Manu (Raffaëla Anderson) zuerst Opfer sein, bevor sie Täterinnen werden dürfen. Und da werden zu Beginn in einem Aufwisch gleich noch ein paar andere Frauen in alle möglichen Opferhaltungen gezwungen. Frauen sind Opfer brutaler Vergewaltigungen, Opfer der sozialen Missstände, die sie zur Hurerei zwingen, Drogenopfer - Opfer in so ziemlich allen Beziehungen also.

Gute Gründe werden da vorangestellt, damit Nadine und Manu schliesslich das tun können, was sie auf ihrem Rachefeldzug gegen die Männer tun. Ein erster Mord macht die beiden zu Kampfgenossinnen und so ziehen sie brutal mordend durch Frankreichs Provinz, nehmen sich Männer, wenns ihnen passt , und zwingen sie zum Ficken. Wenn die Männer nicht spuren wollen, dann werden sie halt um die Ecke gebracht. Irgendwie sind die beiden sogar selbst erstaunt, dass man sie so lange gewähren lässt, dass die Polizei sie nicht früher erwischt.

So einfach verdammen kann man trotzdem nicht, was Virginie Despentes dem Kinopublikum in ihrem Film vorsetzt, genauso wenig, wie man das einfach goutieren kann. Die Frage, was dieser Film soll, stellt sich also dringlich. Denn die Darstellung weiblicher Gewalt ist noch kein Feminismus und das Zeigen des weiblichen Geschlechts alleine macht noch keinen ganzen Frauenkörper.

Wenn es Despentes nämlich wirklich darum ginge, weibliche Phantasien auf die Leinwand zu transportieren, warum muss sie die Frauen dann vorher mittels brutaler Vergewaltigung zu Opfern stilisieren? So seltsam das klingen mag, irgendwie fehlt es Despentes' Phantasien an Radikalität.

Regie Virginie Despentes, Coralie Trinh Thi
Buch Virginie Despentes, Coralie Trinh Thi
Kamera Benoît Chamaillard, Julien Pamart
Produktion F 2000
Dauer 77 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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