Von Georges Wyrsch
«Cap ou pas cap?» beziehungsweise «Traust du dich, oder traust du dich nicht?» lautet die Grundregel eines Kinderspiels, mit dem sich die achtjährige Sophie und ihr Mitschüler Julien die Zeit vertreiben. Ein gefährliches Spiel: Die Übergabe einer bunten Blechschachtel ist jeweils verbunden mit der Verpflichtung, ein bestimmtes Wagnis einzugehen, das der Spielpartner bestimmen darf. Kurzum: Die beiden Kinder spornen sich vorerst zu kleinem, und im Verlauf der Zeit zu immer grösserem Blödsinn an. Auch als junge Erwachsene spielen sie dieses Spiel weiter, obwohl die einst spassigen Einsätze immer halsbrecherischer geworden sind. Und natürlich stellt sich bald die Frage, ob die beiden zur Hauptsache «cap» sein werden: zu einer Liebesbeziehung.
«Jeux d'enfants» von Yann Samuel hat in Frankreich (und auch anderswo) sehr gemischte Reaktionen hervorgerufen, in denen oft Befremdung mitklang. Schuld daran dürfte vor allem der Umstand sein, dass sich der Film nur schlecht einem Genre zuordnen lässt: «Jeux d'enfants» spielt von der ersten bis zur letzten Szene mit den Codes der romantischen Komödie, ohne das Bedürfnis des Publikums nach einer solchen jemals abzudecken. Denn Sophie und Julien sind keine sympathischen jungen Menschen mit Hang zu Neckereien und Übermut, sondern sie sind beide verantwortungslose Wesen, die sich gegenseitig zu immer gefährlicherem Tun anstacheln. Rücksichtsloser als ihr gegenseitiger Umgang ist allein der Umgang mit ihren eigenen Gefühlen – und so bleibt das Identifikationspotenzial dieser beiden Figuren gänzlich aus. Da verwundert es nicht weiter, dass zahlreiche Zuschauer gegen Ende des Film kaum mehr wissen wollen, ob aus den beiden jetzt ein Paar wird oder nicht.
«Jeux d'enfants» ist in einer kunterbunten, trickreichen und zeitlich kaum einzuordnenden Welt angelegt, in der zudem ständig das Lied «La vie en rose» erklingt. Aber in dieser scheinbar heiteren, märchenhaften Welt dreht sich nicht alles um die Liebe, sondern alles um das Schicksal. Die Begegnung von Sophie und Julien ist so unausweichlich wie das Verhängnis, das die beiden verbindet.
Um «Jeux d'enfants» zu geniessen, empfiehlt es sich ganz einfach, auf die bittere Pille im Zuckerguss gefasst zu sein, und auf ihre medizinische Wirkung zu vertrauen. Cap ou pas cap?
| Regie |
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Yann Samuel |
| Darsteller |
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Marion Cotillard, Guillaume Canet, Elodie Navarre |
| Buch |
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Jacky Cukier, Yann Samuel |
| Kamera |
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Antoine Roch |
| Produktion |
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Frankreich 2003 |
| Dauer |
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93 Min. |
| Genre |
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Drama |
| Offical Site |
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http://www.marsfilms.com/site/jeux/ |
© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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