Filmarchiv

Dawn of the Dead

Morgen-Grauen

Mit einer blutigen Neuverfilmung des Kultschockers liefert Zack Snyder ein gelungenes Debüt.

Von Hannes Nüsseler

Alles ist normal in der namenlosen Vorstadt, als Krankenschwester Ana (Sarah Polley) von einer anstrengenden Schicht nach Hause zurückkehrt: Die Nachbarn sind freundlich, die Kinder fahren Rollschuh, der Gatte trinkt Bier und sieht fern. Natürlich gäbe es da eine dringende Sondersendung, eine Warnung vor dem Inferno, welches am nächsten Tag über die verschlafene Gemeinde hereinbrechen wird. Aber das Paar schaltet um und erlebt deshalb ein böses Erwachen: Über Nacht sind aus den harmlosen Nachbarn blutrünstige Monster geworden, die ihre Opfer nicht nur töten, sondern diese obendrein in kannibalische Untote verwandeln. Nur knapp entgeht Ana den Attacken ihres Mannes, der ebenfalls infiziert wird, und flüchtet mit dem Auto Richtung Stadt. Es herrscht Ausnahmezustand, überall Explosionen, Panik.
Nach einem Unfall trifft Ana auf den bärbeissigen Polizisten Kenneth (Ving Rhames), der sich ihrer annimmt. Die Schicksalsgemeinschaft erweitert sich um den gewieften TV-Verkäufer Michael (Jake Weber), den schweren Jungen Andre und seine schwangere Freundin. Gemeinsam brechen sie zu einem Einkaufszentrum auf, wo sie sich mit einer Hand voll Wachmänner verschanzen. Das Zentrum bietet alle erdenklichen Bequemlichkeiten, doch die Aussichten auf Flucht sind düster: Immer mehr Zombies rotten sich vor dem Gebäude zusammen.
Auf die Frage, was Untote ausgerechnet in einem Einkaufszentrum suchen, gibt George A. Romeros Horrorklassiker «Dawn of the Dead» (1979) eine verblüffende Antwort – es ist die Erinnerung, welche die Zombies umtreibt, die Erinnerung an einen Ort, an dem sie einst glücklich zu sein glaubten. Für Romero ist das Warenhaus Metapher einer sich selbst kannibalisierenden Gesellschaft, in der Individualität von Konsum bedroht wird und der Kampf um Ressourcen stets auf Kosten anderer geht.
In Zack Snyders gleichnamigem Remake fällt die Kritik am Raubtierkapitalismus zahmer aus, dafür ist der Film umso actionreicher und ekliger: Wo Romero den perversen Gewöhnungseffekt von Gewalt vorführte, entnervt Snyder sein Publikum mit eimerweise Blut und Gekröse. Auch das Ende lässt im Vergleich zum Original einiges an Ambivalenz zu wünschen übrig – wer es also lieber versöhnlich ausklingen lässt, sollte vor dem Abspann möglichst rasch die Beine unter die Arme nehmen. Am besten die eigenen.

Regie Zack Snyder
Darsteller Sarah Polley, Ving Rhames, Jake Weber, Mekhi Phifer
Buch George A. Romero, James Gunn
Kamera Matthew F. Leonetti
Produktion USA 2004
Dauer 101 Min.
Genre Action, Horror
Offical Site http://www.dawnofthedeadmovie.net/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.

Zurück



Top   Druckversion   Seite als Hotlink speichern
Meine Seitenbewertung