Filmarchiv

Agata e la tempesta

Hals über Kopf

Silvio Soldini versucht, an den Erfolg der Komödie «Pane e tulipani» anzuknüpfen.

Von Niklaus Schäfer

An Silvio Soldinis Filmen scheiden sich die Geister: Wie schon der Grosserfolg «Pane e tulipani» fand auch der weniger populäre «Brucio nel vento» sein Publikum – aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Bei Soldinis Filmen gilt: Love it or leave it.
Der 1958 in Mailand geborene italienisch-schweizerische Doppelbürger Soldini hat ein Gespür für Themen, die das breite Publikum bewegen. Gleichzeitig bleibt er aber dem Studiokino treu. Nach dem dramatischen, jedoch nicht unbedingt sehr realistischen Immigrantendrama «Brucio nel vento» besinnt sich Soldini wieder auf seine starken Frauenfiguren, wie schon in «Le acrobate», der Geschichte der Freundschaft zwischen drei Frauen. Agata (Licia Maglietta) ist Buchhändlerin. Sie verliebt sich Hals über Kopf in einen jüngeren Mann; und immer, wenn sie sich in der Nähe von Glühbirnen aufhält, brennen diese durch. Agatas Bruder Gustavo (Emilio Solfrizzi) ist Architekt. Eines Tages entdeckt er seinen wirklichen Bruder, den vulgären Romeo (Giuseppe Battiston), und realisiert, dass er nicht derjenige ist, der er zu sein glaubte, und verliebt sich in eine Dänin.
Wie schon in «Pane e tulipani» kommt eine kühle Brise aus Skandinavien: Dieses Mal ists eine Dänin, letztes Mal wars ein von Bruno Ganz dargestellter isländischer Kellner. War in «Pane e tulipani» Rosalbas Ehemann ein unsympathischer Proll, ist hier Gustavos Bruder Romeo der Mann fürs Grobe (der im Verlauf des Films verschwindet, ähnlich wie sein Vorgänger). Die Kultur wiederum wird in «Agata e la tempesta» von Agata selbst verkörpert, während in «Pane e tulipani» der isländische Kellner besonders kultiviert erschien. Soldini arbeitet sehr stark mit typisierten Figuren, was bei einer Komödie bis zu einem gewissen Grad unerlässlich ist, egal ob bei Woody Allen oder bei Silvio Soldini. Natürlich erreicht Soldini nie den Wortwitz Woody Allens oder – um in Italien zu bleiben – die politische und komödiantische Kraft von Nanni Moretti oder des Trios Aldo, Giacomo und Giovanni («Tre uomini e una gamba»). Letztere sind aber sicherlich näher bei Soldini als Moretti; es verwundert deshalb auch nicht, dass Marina Massironi, Weggefährtin der drei Komiker, in «Agata e la tempesta» einen Gastauftritt als Spezialistin für Eheglück hat.

Regie Silvio Soldini
Darsteller Licia Maglietta, Giuseppe Battiston, Emilio Solfrizzi, Marina Massironi
Buch Doriana Leondeff, Francesco Piccolo, Silvio Soldini
Kamera Arnaldo Catinari
Produktion Italien, Schweiz, UK 2004
Dauer 118 Min.
Genre Komödie, Drama
Offical Site http://www.capital.it/html/speciale_agata/homepage.htm

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.

Zurück



Top   Druckversion   Seite als Hotlink speichern
Meine Seitenbewertung