Filmarchiv

Die Geschichte vom weinenden Kamel

Eine Art Wüstenthriller

Ein spannender Dokumentarfilm über die Rettung eines Kamelbabys.

Von Jana Ulmann

Die mongolische Regisseurin Bymbasuren Davaa studiert seit drei Jahren an der Münchner Filmhochschule in der Abteilung Dokumentarfilm. Im letzten Jahr hat sie an der Filmhochschule zusammen mit dem italienischen Kameramann Luigi Falorni ihren zweiten Film realisiert. Für «Die Geschichte vom weinenden Kamel» ist die Regisseurin mit einem Filmteam in ihr Heimatland aufgebrochen, um in der Wüste ein Ritual der Hirtennomaden zu verfilmen. Entstanden ist dabei ein Film, den man trotz seines dokumentarischen Charakters schon fast als Wüstenthriller bezeichnen könnte, so spannend ist die wahre Geschichte, die hier erzählt wird.
Die Familie Amgaa lebt in der Süd-Mongolei, in der Wüste Gobi. Die Familie wohnt unter einfachsten Bedingungen in ihren drei Jurten. Gelebt wird von der Kamel- und Schafzucht. Mehr als 20 Kamele besitzt die Familie. Immer wieder passiert es allerdings, dass Kamelmütter nach einer besonders schwierigen Geburt ihre Jungen verstossen. So lehnt auch die Kamelmutter Ingeen Temee ihr erstes Baby Botok nach der langen Geburt ab, das kleine, weisse Kamel versucht vergeblich, bei der Mutter Milch zu trinken.
Es wird bald klar, dass das Tier sterben muss, wenn es von der Mutter nicht bald Milch kriegt. Ein altes Ritual verspricht Rettung: Ein guter Geiger muss mit seiner Musik die Kamelmutter in Trance versetzen, sie zum Weinen bringen, dann erst wird sie ihr Junges annehmen. Und so reiten die beiden Buben, Dude und sein kleiner Bruder Ugna, auf zwei Kamelen in die vierhundert Kilometer entfernte Stadt, um den rettenden Geiger zu holen – ein Rennen gegen die Zeit.
Byambasuren Davaa gelingt es in ihrem Film, in einprägenden Bildern eine spannende und berührende Geschichte zu erzählen. Gleichzeitig wird der Alltag der Nomadenfamilie in der Wüste aufgerollt und damit die Lebensweise eines Volkes dokumentiert, das noch unter einfachsten Bedingungen lebt. Dieses Dasein allerdings ist von der ständig fortschreitenden Modernisierung und Technisierung bedroht. Auch das wird dem Zuschauer in diesem mongolischen Märchen vor Augen geführt: Echtes Glück im Einklang mit der Natur braucht nicht sehr viel «Zivilisation».

Regie Byambasuren Davaa
Darsteller Janchiv Ayurzana, Chimed Ohin, Munkhbayar Lhagvaa
Buch Byambasuren Davaa
Kamera Luigi Falorni
Produktion Mongolei, Deutschland 2003
Dauer 90 Min.
Genre Dokumentarfilm
Offical Site http://www.filmcoopi.ch

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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