Von Georges Wyrsch
Die Drehbuchautorin und Regisseurin Nancy Meyers gehört zu den Leuten in Hollywood, die genau zu wissen meinen, was die Zuschauer wollen. Ausgehend von der Vermutung, dass sich viele ältere Menschen im Herbst ihres Lebens noch einmal eine richtige Romanze wünschen, schreibt sie zwei alternden Filmlegenden in zwei Paraderollen eine luftige Love Story im Rentenalter auf den Leib.
Jack Nicholson gibt in ungehemmter Selbstkarikatur einen steinreichen, in die Jahre gekommenen Casanova, der sich nach einem Kreislaufzusammenbruch ernsthaft in eine gleichaltrige Schriftstellerin verliebt. Diese wird verkörpert von Diane Keaton in einer Art verspäteter Wiederaufnahme der Rolle, die sie einst berühmt gemacht hat: Woody Allens «Annie Hall».
Die Handlung von «Something’s Gotta Give» ist so absehbar wie das Konzept berechenbar, und während das Drehbuch auf seinem einzigen Gag herumreitet (dem Alter der Protagonisten), wünscht man sich zumindest, dass zwischen den beiden Leinwandlegenden der zündende Funke springen würde. Das tut er allerdings nur bedingt, denn beide scheinen hier mehr mit ihrem Ego als mit einer schauspielerischen Leistung beschäftigt zu sein.
Dabei wären Nicholson und Keaton mit ihrer Präsenz sehr wohl fähig gewesen, diesen Film anständig zu tragen, wenn sie nicht die durchgehende Seichtheit der Dialoge und die Eindimensionalität ihrer Charaktere daran gehindert hätten.
Nancy Meyers hat eine sehr rigide Vorstellung davon, wie eine romantische Komödie zu funktionieren hat, und diese Haltung zieht sie auch durch – bis hin zum Klischee, dass eine solche Geschichte in Paris zu Ende gehen muss. Und als ob diese Abschlussszene nicht offensichtlich genug wäre, wird sie im Verlauf der Handlung auch noch etliche Male vorweg genommen.
Immerhin hat Meyers nicht vollkommen vergessen, dass sie am einen oder anderen Ort ihres Films eine Pointe einstreuen sollte – und dies tut sie auch, wenn auch eher pflichtbewusst als mit einem ausgefuchsten Sinn für Komik. Man amüsiert sich zwar über diese oder jene Replik oder Grimasse, aber die wenigen vergnüglichen Momente täuschen vor allem in der zweiten Hälfte nicht mehr darüber hinweg, dass hier eine zurechtformatierte Seifenoper abgespult wird, die zu allem Überfluss länger als zwei Stunden dauert.
© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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