Filmarchiv

Honey

Mutter Teresa mit Sex-Appeal

"Flashdance" im neuen Jahrtausend: Sozialkitsch, der nur von der Musik lebt; von Videoclip-Regisseur Bille Woodruff.

Von Niklaus Schäfer

Die Formel ist seit «Flashdance» dieselbe: Man nehme aktuelle Popmusik, dazu eine attraktive junge Frau, und um diese herum wird eine absolut lächerliche Erfolgs-Story (von der Tellerwäscherin zur Tänzerin etwa) konstruiert sowie eine ebenso unglaubwürdige Liebesgeschichte. Nach Filmen wie «Coyote Ugly» und «Save the Last Dance», in denen weisse Mädchen zum Zug kamen, ist es diesmal – wie schon Jennifer Beals in «Flashdance» – wieder eine junge Frau mit unklarem ethnischem Background, die die Hauptrolle in «Honey» innehat: Jessica Alba, bekannt aus «Dark Angel». So können sich alle ein bisschen mit ihr identifizieren.
Honey Daniels (Jessica Alba) ist Tänzerin, und ihr grosser Traum ist es, als Tänzerin und Choreografin im Musikbusiness mitzumischen und den Ghetto-Kids ein besseres Leben zu ermöglichen. Und siehe da: Der berühmte Regisseur Michael Ellis (David Moscow) entdeckt sie im Club. Es kommt aber zum Bruch zwischen ihnen: Michael will nämlich mehr von ihr als nur ihre Mitarbeit. Mehr sei hier nicht verraten – wobei alles so vorhersehbar ist, dass sich im Grunde genommen eine Zusammenfassung erübrigt. Der einzige Pluspunkt des Films ist die Musik: Ob neue Tracks von Fabolous oder Missy Elliott, die auch einen Gastauftritt im Film hat, oder schon vorhandene Musik von Dancehall-Star Sean Paul oder New-School-Urgestein Erick Sermon – der Soundtrack ist eine gelungene Kompilation von Rap-Hits, mit einigen R&B-Songs und einem Ausflug in den modernen Gospel.
Obwohl mit Produzent Andre Harrell und Ko-Autor Alonzo Brown (früher als Dr. Jekyll and Mr. Hyde bekannt) gleich zwei Pioniere des Rap an «Honey» beteiligt sind, ist der Film letztlich doch symptomatisch dafür, wie die Hip-Hop-Kultur in Hollywood verheizt wird: Schon die ersten Hip-Hop-Filme aus der Traumfabrik waren uninspirierte Massenware. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nicht untypisch auch, dass der Film mit einer Tanzaufführung zu einem Gospelsong in der Kirche aufhört. Für eine Benefizveranstaltung – so die Botschaft – ist Hip-Hop halt nach wie vor nicht seriös genug. Und während bei einem weissen Rapper wie Eminem ein Top-Regisseur wie Curtis Hanson («L. A. Confidential») zur Stelle ist, müssen sich Missy Elliott, Lil' Romeo und Jadakiss mit einem Videoclip-Regisseur begnügen, der Sozialkitsch nach Schema F fabriziert.

Regie Bille Woodruff
Darsteller Jessica Alba, Lil' Romeo, Mekhi Phifer, David Moscow, Zachary Williams, Missy Elliott
Buch Alonzo Brown, Kim Watson
Kamera John R. Leonetti
Produktion USA
Dauer 94 Min.
Genre Drama, Musikfilm, Liebesfilm
Offical Site http://www.honey-movie.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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