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Filmarchiv
Le divorce
Die heilige Ursula im Land der Liebe
Dem Kammerstück von James Ivory für zwei Schwestern, ein Bild, mehrere Männer und zwei Länder fehlt das «gewisse Etwas» für einen aussergewöhnlichen Film.
Von Brigitte Häring
Die heilige Ursula, die zusammen mit elftausend Jungfrauen den Märtyrertod starb, gilt als Schutzheilige der jungen Mädchen und Frauen. Zunächst jedoch bringt sie Roxeanne (Naomi Watts) eher Unglück. Als die in Paris lebende Amerikanerin nämlich mit ihrem zweiten Kind schwanger ist, wird sie von ihrem Ehemann aus gutem Hause, Charles-Henri de Persand (Melvil Poupaud), gar nicht gentlemen-like einer anderen Frau wegen verlassen. Die extra für das Baby angereiste Schwester Isabel (Kate Hudson) ist auch keine grosse Hilfe – sie verfällt, kaum in Paris angekommen, dem Zauber der Stadt der Liebe. Da ist zum einen der junge Yves (Romain Duris), den sie durch die amerikanische Schriftstellerin Olivia (Glenn Close) kennen lernt. Da ist aber auch der ältere, konservative Politiker und Onkel von Roxys Ex, Edgar (Thierry Lhermitte), der Isabel zu seiner Maîtresse machen will.
Versnobte Franzosen, impulsive Amerikaner
Diese Liaison führt zu einigen heimlichen und weniger heimlichen Gerüchten und sorgt in der traditionellen, grossbürgerlichen, schlossbewohnenden Familie de Persand für einiges Ungemach. Besonders die Stammmutter Suzanne (Leslie Caron), der schon die Hochzeit ihres Sohnes mit einer Amerikanerin für eine Geschmacklosigkeit hielt, sieht rot. Roxy muss sich derweil mit der ungewollten Scheidung auseinander setzen, die sich hauptsächlich um ein aus ihrer Familie stammendes Bildnis der heiligen Ursula dreht. Dieses nämlich, so vermuten echte und selbst ernannte Experten, könnte alt und wertvoll sein. Dass das Glück, das die heilige Ursula bringen soll, schliesslich in Form des grossen Geldes kommt, ist keine überraschende Wendung, sind doch alle Beteiligten Mitglieder der gut betuchteren Klasse, seien es die versnobten Franzosen, seien es die impulsiven Amerikaner. «Le divorce» erzählt eine Geschichte, die einiges Potenzial für gute Unterhaltung vorweisen kann. Doch irgendwie verlässt man das Kino dennoch nicht ganz zufrieden. Diesem Film fehlt irgend etwas, das ihn zu einem wirklich amüsanten, unterhaltsamen Film hätte werden lassen; vielleicht genau das viel zitierte «gewisse Etwas», das einen seltenen Filmgenuss von der Dutzendware abhebt. Und dies ist unheimlich schwer zu beschreiben und zu finden. Vielleicht ist es die eher fade Figurenzeichnung, die die Gestalten der Geschichte zuweilen wie unfertig geschnitzte Marionetten erscheinen lässt. Es mag aber auch an den skizzenhaft erzählten Szenen liegen – das kann zwar reizvoll sein, hier jedoch wirken sie irgendwie unfertig, ergeben zusammen einen Flickenteppich, der eine Geschichte erzählen will, die man sich zwar immer zusammenreimen kann, die aber nie wirklich zu packen vermag.
Keine wirklichen Identifikationsfiguren
Ebenso ist Humor und Witz in diesem Film zwar nicht ganz Mangelware, wirkt aber oft falsch platziert. So böte das Aufeinanderprallen der zwei Kulturen Amerika und Frankreich viel Anlass zu Situationskomik oder feinsinnigen Scherzen. Leider ist es – mit Ausnahme einiger spärlicher Ansätze – bei ziemlich klischierten Bildern geblieben, die die Franzosen als hochnäsige, standesbewusste Snobs und die Amerikaner als laute, etwas tapsige, impulsive Menschen zeichnen. All diese Faktoren führen dazu, dass «Le divorce» nie wirklich zu packen vermag und weder wirkliche Identifikationsfiguren noch echte ironische Distanz bietet. Schade, denn Geschichte, ein spannender Darstellerreigen von Hollywood über England bis Frankreich und James Ivory als Regisseur hätten eigentlich mehr erwarten lassen.
| Regie |
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James Ivory |
| Darsteller |
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Jean-Marc Barr, Leslie Caron, Glenn Close, Stephen Fry, Kate Hudson, Naomi Watts, Thierry Lhermitte, Matthew Modine |
| Buch |
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Ruth Prawe Jhabvala & James Ivory, nach einem Roman von Diane Johnson |
| Kamera |
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Pierre Lhomme |
| Produktion |
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USA/Frankreich |
| Dauer |
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115 Min. |
| Genre |
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Drama |
| Offical Site |
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http://www.le-divorce.com |
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