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Master and Commander

Eine Seefahrt, die ist lustig ...

Regisseur Peter Weir erweckt in seinem neuesten Film mit Russell Crowe ein Schlachtschiff Seiner Majestät zum Leben: eine simple Geschichte souverän inszeniert.

Von Simon Spiegel

Hollywood hat die christliche Seefahrt wiederentdeckt: Nach dem relativ unerwarteten Grosserfolg von «Pirates of the Caribbean» doppelt Twentieth Century Fox nun mit «Master and Commander: The Far Side of the World» nach und lässt Russell Crowe als bärbeissigen Kapitän Jack Aubrey antreten.
Der Unterschied zwischen den beiden Filmen zeigt sich am deutlichsten in den beiden Hauptdarstellern. Wo Johnny Depp mit der Rolle des effeminierten Edel-Piraten Jack Sparrow für eine komödiantische Glanzleistung sorgte, ist Russell Crowe ein Schauspieler, der mit beiden massigen Beinen fest auf den Schiffsplanken steht. In «Master and Commander» gibt es weder einen verfluchten Schatz noch wandelnde Skelette, und Weibsvolk hat an Bord eines Kriegsschiffs Seiner Majestät schon gar nichts verloren. Die «HMS Surprise» ist eine Männerwelt; hier herrschen raue aber herzliche Sitten und kleben die Kleider vor Blut und Schweiss.

Schiff gegen Schiff

Wir schreiben das Jahr 1805, Frankreich und Grossbritannien liefern sich einen erbitterten Seekrieg; die «Surprise» hat den Auftrag, dem französischen Freibeuter «Acheron» vor der Küste Brasiliens abzupassen. Kein einfaches Unterfangen, denn das gegnerische Schiff ist schneller, schwerer bewaffnet und scheint jeweils aus dem Nichts aufzutauchen. Eine erste Konfrontation endet mit einer Schlappe der «Surprise», die vollständige Niederlage kann nur knapp vermieden werden. Aufgeben kommt für Aubrey freilich nicht in Frage; kaum ist sein Schiff wieder einigermassen fahrtüchtig, nimmt er die Jagd auf den überlegenen Gegner auf.
Mit Peter Weir hat ein Hollywood-Aussenseiter die Regie übernommen, und das hat dem Film gut getan. Unter der Regie des Australiers ist aus dem äusserst simplen Plot – gutes Schiff jagt böses Schiff – ein durchaus packender Abenteuerfilm geworden. Weir hat sich schon immer für abgeschlossene Gesellschaften interessiert, sei es das Riesenstudio in «The Truman Show» oder das Elite-Internat in «Dead Poets Society». Es ist daher keine Überraschung, dass sein Augenmerk weniger der Handlung, sondern vor allem dem Mikrokosmos an Bord des Schiffs gilt. Der eigentliche Hauptdarsteller des Films ist nicht Crowe, sondern die «Surprise».

Gelungene Schiffsatmosphäre

Man spürt, dass hier viel Aufwand betrieben wurde, um dem Zuschauer etwas von der klaustrophobischen Stimmung an Bord eines Schiffs zu vermitteln. Seien es die Vorbereitungen zur Schlacht, die halsbrecherische Arbeit in den Masten oder die Hektik während eines Sturms, Authentizität wird bei «Master and Commander» gross geschrieben. Und immer wieder klettert die Kamera in die Innereien des Schiffs hinab oder steigt in schwindelerregende Höhen, um die kleine Welt vollständig von oben zu erfassen. Der Organismus Schlachtschiff erwacht hier tatsächlich zum Leben; auch die zahlreichen, meist hervorragenden Effekte sind für einmal nicht reiner Selbstzweck, sondern tragen viel zur dichten Atmosphäre des Films bei.
Dass die Wahl eines actionunerprobten Regisseurs auch Nachteile haben kann, zeigt sich im grossen Schlusskampf, der so hektisch inszeniert und geschnitten ist, dass kaum noch zu erkennen ist, wer hier eigentlich wen niedermetzelt. Man haut sich gegenseitig kräftig die Rübe ein, und am Ende gewinnen – nicht ganz unerwartet – die Guten. Das ist als grosses Finale, nachdem die souveräne Inszenierung so lange über die dünne Story hinwegtäuschen konnte, ein wenig unbefriedigend. Immerhin: Zum Schluss gibts noch einmal eine unerwartete Wendung, das Ende bleibt offen.

Regie Peter Weir
Darsteller Russell Crowe, Paul Bettany, James D'Arcy, Edward Woodall, Chris Larkin
Buch Peter Weir und John Collee nach den Romanen von Patrick O’Brian
Kamera Russell Boyd
Produktion USA 2003
Dauer 138 Min.
Genre Schiffsabenteuer
Offical Site http://www.masterandcommanderthefarsideoftheworld.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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