Von Brigitte Häring
Argentinische Filme erfreuen sich in Europa grosser Beliebtheit – kein Wunder, erleben sie doch eine besondere Blüte im Moment. Nach «El hijo de la novia», «Nueve reinas» und «Un oso rojo» bekommen wir mit Diego Lermans «Tan de repente» ein weiteres Werk aus diesem so kreativen Filmland zu sehen.
Der Film des erst 26-jährigen Regisseurs räumte nach enormen Produktionsschwierigkeiten (Geldmangel, eskalierende Unruhen in Argentinien) Preise in Locarno, Wien, Buenos Aires und Havanna ab. Wie die Situation im Land ist auch die Geschichte, die Diego Lerman erzählt, eine Gratwanderung zwischen Willkür, Demütigung und Einsamkeit auf der einen und Geborgenheit, Zuneigung und Zärtlichkeit auf der anderen Seite. Willkürliche Veränderungen in Stimmung und Atmosphäre prägen den Film, doch neben all den überraschenden Wendungen fehlen dennoch die feinen Zwischentöne nicht. Die Wahl von Schwarzweiss trägt viel zur Intimität von «Tan de repente» bei.
Erzählt wird von einer Entführung, die sich zu einer Reise entwickelt. Marcia (Tatiana Saphir) ist eine frustrierte junge Unterwäscheverkäuferin. Eines Tages wird sie von den zwei lesbischen Punkerinnen Mao (Carla Crespo) und Lenin (Verónica Hassan) angesprochen – mit ihrer schnöseligen und rotzigen Art wollen die beiden die verunsicherte Marcia erst verführen, um sie dann zu entführen. Doch aus der Entführung wird eine Überraschungsreise, denn Mao und Lenin bringen Marcia ans Meer; ein lang gehegter Wunsch, den sie zuvor aus der eingeschüchterten Frau herausgepresst haben. Schliesslich verschlägt es das ungleiche Trio in eine kleine Stadt, wo sie sich bei Lenins Grosstante Blanca (Beatriz Thibaudín) und deren Untermietern Delia (María Merlino) und Felipe (Marcos Ferrante) einnisten.
Ab diesem Moment entfaltet der Film seine wahre Stärke. Die ungleichen Charaktere bewegen sich fortan in wechselnden Konstellationen, neue Beziehungen entstehen, und eine starke Auseinandersetzung der einzelnen Figuren mit sich und der Umwelt nimmt ihren Lauf. Schliesslich kann auch die verklemmte Marcia etwas loslassen, während Lenin auch mal wieder verletzlich und weiblich als Veronica auftreten darf.
| Darsteller |
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Tatiana Saphir, Carla Crespo, Verónica Hassan, Beatriz Thibaudín, María Merlino, Marcos Ferrante |
| Buch |
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Diego Lerman und Maria Meira |
| Kamera |
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Orilo Blandini |
| Produktion |
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Argentinien 2002 |
| Dauer |
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94 Min. |
| Offical Site |
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http://pyramidefilms.fr/tan-de-repente |
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