Filmarchiv

Liegen lernen

Die Betten meiner Jugend

Ein deutscher Mittdreissiger resümiert seine Frauengeschichten der 80er- und 90er-Jahre.

Von Georges Wyrsch

Die Hauptfigur der nostalgischen Komödie «Liegen lernen» ist ein junger Mann namens Helmut (gespielt von Fabian Busch). Während im Deutschen Bundestag der eine Helmut den anderen Helmut ablöst – wir schreiben das Jahr 1982 –, denkt unser Helmut aus Düsseldorf vor allem an eines: das andere Geschlecht. Seine Geschichte beginnt mit einer Schulflamme und wird fast zwanzig Jahre später mit der Frau seines Lebens enden. Und natürlich fällt dazwischen auch noch die Mauer.
Frank Goosen, der Autor der Romanvorlage, hat seiner Generation ein Denkmal setzen wollen, und gleichsam hat nun auch die Filmversion den Anspruch, das damalige Deutschland mit grösstmöglicher Detailtreue noch einmal aufleben zu lassen. Alles stimmt: die Musik, die Autos, die Kleidung, die Möbel und sogar die Buslinienschilder. Und natürlich die Jugendlichen selbst, deren Eltern entweder aus der 68er-Generation stammen oder vom einstigen Wirtschaftswunder profitiert haben.
Der Film «Liegen lernen» trifft den Ton in jeder Beziehung, er zeichnet ein korrektes Zeitbild mit Liebe zu seinen Figuren wie zum Detail, und er gerät nie in Versuchung, Menschen oder Sachverhalte zu trivialisieren. Die Dialoge sind subtil (was für einen deutschen Beziehungsfilm nicht die Regel ist), und die Darsteller überzeugen bis in die kleinsten Nebenrollen.
Dennoch verlässt man das Kino mit einem gewissen Gefühl der Leere. Dies liegt mit Sicherheit nicht an der Machart des Films, sondern vielmehr an seinem Aufhänger – den Bettgeschichten. Wer schon einmal gehört hat, wie Julio Iglesias und Willie Nelson «To All the Girls I Loved Before» singen, der weiss, dass eine Autobiographie schnell unangenehm klingt, wenn man sie an den Lebensabschnittspartnerinnen aufhängt.
Diese Klippe der Peinlichkeit umschifft «Liegen lernen» zwar, denn Helmut ist kein Macho und seine Freundinnen sind selbstbewusste Frauen. Das Problem ist vielmehr, dass der mittlerweile etwas ältere Helmut seine Abenteuer aus dem Off kommentiert und dabei ziemlich belanglose Plattitüden über Liebe, Sex und Beziehungen von sich gibt. Damit lässt er den Film narzisstischer wirken, als er es eigentlich ist. So hat «Lieben lernen» zwar viel indiskreten Charme, ist aber im Endeffekt weder originell noch spannend genug, um für längere Zeit im Gedächtnis haften zu bleiben.

Regie Hendrik Handloegten
Darsteller Fabian Busch, Susanne Bormann, Sophie Rois
Buch Hendrik Handloegten, nach dem Roman von Frank Goosen
Kamera Florian Hoffmeister
Produktion Deutschland 2003
Dauer 87 Min.
Genre Komödie
Offical Site http://www.liegenlernen.de/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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