Filmarchiv

Wilbur Wants To Kill Himself

Kurvenreiche Lebensbahnen

Ein filmisches Lehrstück über den menschlichen Willen und die Macht des Schicksals.

Von Jana Ulmann

Die Regisseurin Lone Scherfig hat mit ihrer Dogma-Komödie «Italian for Beginners» Furore gemacht. Jetzt legt sie mit der Tragikomödie «Wilbur Wants To Kill Himself» ihren vierten Film vor. Das Drehbuch für diesen Film hat Scherfig mit Anders Thomas Jensen geschrieben, dem Autor und Regisseur, den man von Filmen wie «Open Hearts» und «Mifune» kennt. Im Gegensatz zu «Italian for Beginners» ist der neue Film nun nicht mehr den Dogma-Regeln verpflichtet, sondern setzt ganz auf die klassische Filmsprache. Entstanden ist eine ungewöhnliche, schräge Tragikomödie, die einen kopfschüttelnd über die seltsamen Launen des Schicksals aus dem Kino entlässt.
Die Titelfigur Wilbur (Jamie Sives) hat genug vom Leben und sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, sich ins Jenseits zu befördern. Warum dem knapp Dreissigjährigen die Lebenslust abhanden gekommen ist, bleibt dem Zuschauer längere Zeit schleierhaft. Zwar scheinen Wilbur und sein Bruder Harbour (Adrian Rawlins) von dem kleinen Second-Hand-Bookshop in Glasgow, den der eben verstorbene Vater ihnen vermacht hat, mehr schlecht als recht leben zu können. Die Zukunftsaussichten sind also nicht rosig, aber das allein wäre noch kein Grund für diesen Lebensüberdruss.
So erscheinen denn Wilburs Selbstmordversuche, die jedes Mal von der rettenden Hand des Bruders oder sonst einem freundlichen Zufall durchkreuzt werden, immer mehr eher wie ein Kokettieren mit dem Leben. Harbours Liebe bleibt unerschütterlich. Er sorgt sich rührend und aufopfernd um seinen Bruder. Da läuft Harbour ein kleines bisschen Lebensglück in Person der schüchternen Putzfrau Alice (Shirley Henderson) über den Weg. Es wird geheiratet und versucht, zusammen mit Mary (Lisa McKinlay), der kleinen Tochter von Alice, das Familienglück zu installieren., an dem auch Wilbur teilhaben soll.
Nein, überhaupt nicht Ende gut, alles gut, denn jetzt beginnt das eigentliche Drama erst. Dass das Leben auf seine eigene, grausame und undurchschaubare Art gerecht ist, das zeigt Lone Scherfigs neuer Film mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Dennoch, das sind liebevoll gezeichnete Figuren, deren Schrägheiten man mag.

Regie Lone Scherfig
Darsteller Jamie Sives, Adrian Rawlins, Shirley Henderson, Lisa McKinlay
Buch Lone Scherfig, Anders Thomas Jensen
Kamera Jørgen Johansson
Produktion Dänemark 2002
Dauer 109 Minuten
Genre Tragikomödie
Offical Site http://www.dfi.dk/dfi/english/featurefilms/wilbur.html

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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