Filmarchiv

Femme Fatale

Raffiniertes Spiel

Mit seinem spannenden, voyeuristischen Thriller knüpft Brian De Palma an seine früheren Werke an.

Von Karin Müller

Am Anfang von «Femme Fatale» steht ein Diamantenraub, im Mittelpunkt die schöne Laura (Rebecca Romijn-Stamos) und am Ende ein Happy End. Dazwischen erzählt Brian De Palma eine Geschichte in verschiedenen Versionen, in der Laura eine andere Identität annimmt und Antonio Banderas einen Paparazzo spielt, der die geheimnisvolle Frau verfolgt. Nicht in erster Linie weil es die Spannung mindert, sondern vor allem, weil eine Inhaltsangabe viel zu kompliziert wäre, soll nichts weiter verraten werden.
Mit «Femme Fatale» legt De Palma einen Thriller vor, der an seine früheren Werke «Dressed to Kill» (1980) und «Body Double» (1984) erinnert, einen ausgeklügelten Krimi zwischen Hochglanzerotik und Schmuddelmilieu, voller Spannung und mit einer unterkühlten, blonden Heldin, wie man sie von Alfred Hitchcocks Filmen her kennt. Damit verbunden kehrt auch eines der Lieblingsthemen des amerikanischen Regisseurs und seines englischen Vorbilds wieder, der Voyeurismus.
Laura ist eine absolute Männerphantasie: Das Model Rebecca Romijn-Stamos glänzt weniger durch schauspielerisches Talent als durch ihre umwerfende Erscheinung. Das stört jedoch überhaupt nicht, weil De Palma, ebenso wie es Hitchcock zu tun pflegte, Typen und keine Charaktere auf die Leinwand bringt. Man kann ihn natürlich des Sexismus bezichtigen, wenn er beispielsweise das Bild mit unglaublich langen Beinen auf unmöglich hohen Bleistiftabsätzen füllt. Gleichzeitig wirkt das aber auch comicartig überhöht, und immerhin nimmt seine Heldin ihr Schicksal in die eigenen Hände.
Abgesehen davon ist «Femme Fatale» ein raffiniertes Spiel mit den bekannten Versatzstücken des Genres, mit Erzählsträngen, die einfach ins Leere laufen, und Anschlüssen, die unlogisch erscheinen. Immer wenn man sich endlich auf der richtigen Spur wähnt und die Handlung eingeordnet zu haben glaubt, ist doch wieder alles ganz anders, ein vermeintlich zentrales Ereignis entpuppt sich als blosser Vorwand, eine scheinbare Nebensächlichkeit erhält im Nachhinein unerwartetes Gewicht. Aus einer einfachen Geschichte macht De Palma ein packendes, höchst unterhaltsames Puzzle.

Regie Brian De Palma
Darsteller Rebecca Romijn-Stamos, Antonio Banderas, Peter Coyote
Buch Brian De Palma
Kamera Thierry Arbogast
Produktion USA, Frankreich, Deutschland 2002
Dauer 110 Min.
Genre Thriller, Krimi
Offical Site http://www.femmefatale.ch

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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