Filmarchiv

Austin Powers ­ International Man of Mystery

Austin Powers

Von Christoph Racz

crz. Was für ein Weihnachtsgeschenk. Rechtzeitig zum Start des neuen Bond-Abenteuers startet auf der Leinwand auch eine Bond-Parodie durch: «Austin Powers ­ International Man of Mystery» (oder war's « Misery»?) (official site) präsentiert in einer Doppel-Hauptrolle den unvergleichlichen Mike Myers als Austin Powers himself sowie als glatzköpfigen Bösewicht «Dr. Evil».

Doch nicht genug: Myers, der auch als Drehbuchautor und Produzent zeichnet und somit als Hauptverantwortlicher zu outen ist, verwurstet nicht nur jenen Bond-Streifen mit den hungrigen Fischen, sondern gleich die ganzen hippen Sixties und dreht «Die Zwei», «Mit Schirm, Charme und Melone», «Al Mundy», sogar Michelangelo Antonionis «Blow Up» und auch die Beatles-Filme von Richard Lester durch seinen gnadenlosen Fleischwolf. Damit wir uns diese Anspielungen nicht selbst aus den Fingern saugen müssen, druckt das Presseheft in verdankenswerter Weise gleich all die Quellen ab, die Myers halfen, die Filetstücke der Film- und Fernsehgeschichte zusammenzuklauen.

Ach ja, die Idee, Erfolg aus Trotteligkeit entstehen zu lassen, hat sich Myers von Blake Edwards' Inspektor Clouzeau nicht nur abgeguckt, sondern dieses Prinzip ins Groteske gesteigert und ihm damit jeden Witz ausgetrieben. Auch aus dem Zusammentreffen zwischen 60er und 90er Jahren entsteht kein Lachen, nur Gähnen: Weil Dr. Evil sich einfrieren lässt, muss auch Powers ins Eis, da er der Einzige ist, der den Bösen besiegen kann.

Die Kalauer, die der aufgetaute Powers in unsere Zeit mitbringt, haben allerdings grossflächige Frostschäden. Myers scheint auf jenen Teil des Teenager-Publikums zu spekulieren, das auch heute noch im verschämten Geist der 60er aufgeklärt wurde und schon beim Anblick zweier Melonen sowie anderer paarweise hochgehaltener Früchte, oder, wenn Elizabeth Hurley (im Profil) in eine Gurke beisst, von hemmungslosem Kichern befallen wird. Besonders pfiffig ist auch die Szene, in der Powers nach dem Auftauen «kurz» pinkeln gehen muss. Können Sie sich's vorstellen? Dann haben Sie auch schon den Rest des Films gesehen und können sich die Zeit sparen.

Regie M. Jay Roach
Buch Mike Myers
Kamera Peter Deming
Musik George S. Clinton
Produktion USA 1997
Dauer 94 Min.
Genre Komödie/Action

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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