Geschichte

Herrschaft, Politik und Verfassung vom Hochmittelalter bis zur Kantonstrennung

Unter fürstbischöflicher Herrschaft (10.-13. Jahrhundert)
Nach der Auflösung des karoling. Mittelreichs (870) ging Basel an das ostfränk. Reich, in der 1. Hälfte des 10. Jh. an Burgund (Zweites Königreich) , verm. als Teil des Tauschpreises für die Hl. Lanze, die Rudolf II. von Burgund 926 oder 935 Kg. Heinrich I. übergab. 917 wurde offenbar auch Basel von den Ungarn heimgesucht, denen gemäss der Inschrift auf dem im Münster erhaltenen Sarkophag Bf. Rudolf II. zum Opfer fiel. Bf. Adalbero II. erhielt 999 die Abtei Moutier-Grandval geschenkt, womit der Grundstock für den späteren Bischofsstaat ( Basel (Fürstbistum) ) gelegt war. 1006 gelangte Basel, womögl. als Faustpfand für die burgund. Erbschaft, an das Reich, dem es 1032, nach dem Tode Rudolfs III. von Burgund, eingegliedert wurde. Im 11. Jh. standen die Bf. von B. in der Gunst Ks. Heinrichs II. und der Salier. Ein Zeugnis davon ist das von Heinrich II. gestiftete und 1019 geweihte spätotton.-frührom. Münster.

Seine Stadtherrschaft übte der Fürstbf. mittels Beamten aus dem Ministerialenstand aus. Genaueres ist allerdings erst aus dem 12. und 13. Jh. überliefert. Eine bischöfl. Verwaltung, erschliessbar aus der Erwähnung bestimmter Ämter (u.a. Vogt, Schultheiss, Vitztum, Münzmeister, Zollmeister), baute sich in dieser Zeit auf. Manche Ämter waren erbl. und verfestigten sich zu Familiennamen. Zu den zentralen stadtherrl. Kompetenzen zählten die vom Reich übertragenen Gerichtsrechte, die Steuergewalt, die Kontrolle über das Münzwesen, den Markt, die Masse und Gewichte sowie die ehaften Gewerbe der Grundversorgung (u.a. Bäcker). Nachdem mit dem Tod Berchtolds V. (1218) die Herrschaft der Zähringer über das rechtsrhein. Gebiet beendet war, liess Bf. Heinrich II. von Thun (1216-38) als Basis für einen territorialpolit. Vorstoss in den Schwarzwald (der scheitern sollte) eine Rheinbrücke erstellen. Damit wurde der planmässige Ausbau der mit eigenen Rechten (Richthaus, Pfarrkirche St. Theodor) ausgestatteten Stadt Kleinbasel ausgelöst. Stadtherr war der Fürstbf. von Basel, kirchl. gehörte Kleinbasel zur Diözese Konstanz.

Anfänge einer städt. Selbstverwaltung sind vom frühen 13. Jh. an fassbar: Ein aus Rittern und Bürgern zusammengesetzter Rat (urkundl. ab 1185/90 erw.), der ein eigenes Siegel führte, trug zusammen mit dem Schultheissen, dem Bürgermeister und dem Stadtschreiber die Verantwortung für die Stadtgem. Zu den Bürgern zählten im 13. Jh. nur die reichen Liegenschaftsbesitzer und Kaufleute. 1218 wurde der Rat durch Kg. Friedrich II. aufgehoben, vor 1225 von neuem eingerichtet. Er bestand aus vom Fürstbf. ernannten Rittern und Bürgern, wobei die Zusammensetzung noch nicht fest geregelt war. Um die Mitte des 13. Jh. trat neben den Vogt, der den Fürstbf. als Stadtherrn vertrat, und den Schultheissen, dem das Gerichtswesen unterstand, der Bürgermeister (ab 1253 bezeugt). Während sich in der Folge die Kompetenzen des Vogtes und des Schultheissen zurückbildeten, entwickelte sich der Bürgermeister immer mehr zum polit. Führer der Stadtgem.

In Auseinandersetzungen zwischen dem Fürstbf. und der Stadtgem., die 1247 in der Zerstörung der bischöfl. Pfalz (wohl ident. mit der alten Königspfalz) gipfelten, setzte sich Ersterer dank dem durch die Bettelorden gestützten Interdikt durch. Die (nicht erhaltene) Handfeste von ca. 1260 bestätigte seine stadtherrl. Rechte.

Beginnend mit Kg. Rudolf I. waren die Habsburger bestrebt, sich in B. festzusetzen, verm. um die Stadt zu ihrer Residenz zu erheben. Sie stützten sich auf eine ihnen ergebene Partei sowie bis um 1300 auf prohabsburg. gesinnte Fürstbf. Ein 1270-73 geführter Krieg zwischen dem Fürstbf. und Rudolf wurde mit Rudolfs Wahl zum Kg. beigelegt. Habsburgs Bemühungen um B. scheiterten im Lauf des 14. Jh. am Widerstand der Fürstbf. aus dem Burgundischen und der antihabsburg. Partei in der Stadt. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzung hatten sich zwei Ritterges. gebildet, die anfängl. den Fürstbf. unterstützenden "Psitticher" und die für Habsburg eintretenden "Sterner". Deren polit. Rivalitäten bestanden bis ins 14. Jh. hinein und wurden dadurch entschärft, dass alternierend ein Sterner bzw. ein Psitticher das Bürgermeisteramt bekleidete.

Kommunale Emanzipation im Spätmittelalter
Von der Mitte des 13. Jh. an und in teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen sicherte sich die Gemeinden gegenüber dem Fürstbf. eine erhebl. Autonomie. Diese äusserte sich u.a. im selbständigen Abschluss von Bündnissen (z.B. 1310 mit der Stadt Strassburg) und im Kauf von Liegenschaften inner- und ausserhalb der Stadtmauern.

Die durch die verheerenden Konflikte des Fürstbf. im 14. Jh. hervorgerufene Zerrüttung der bischöfl. Finanzen erlaubte es der Stadt Basel, sich schrittweise von der Herrschaft des Bf. zu lösen. Nach der neuen Handfeste von 1337 umfasste der Rat vier Ritter, acht Vertreter der lehnsfähigen Bürgerschaft (daher die Bezeichnung "Achtburger" für die ratsfähigen Fam.) und fünfzehn Zunftmitglieder; hinzu kamen ab 1382 die Meister der fünfzehn Zünfte . Diese bildeten überdies ein eigenes Kollegium unter dem Vorsitz des Oberstzunftmeisters ( Zunftmeister ), der neben dem Bürgermeister das grösste politische Gewicht hatte. Während bis um 1500 der vom Fürstbf. ernannte Bürgermeister dem Ritterstand angehörte, kamen für das Amt des Oberstzunftmeisters auch Achtburger in Frage. Über die vom Rat bestimmten "Kieser", die den neuen Rat zu wählen hatten, erneuerte der Rat sich alljährlich die Stadt Basel durch Pfand oder Kauf die wichtigsten selber. Bürgermeister, Oberstzunftmeister und Rat bildeten die städt. Obrigkeit, deren Kompetenzen sich auf das ganze öffentl. Leben erstreckten. Die alten bischöfl. Herrschaftsrechte lebten im 15. Jh. in Repräsentationsformen noch bei der Besetzung der wichtigsten Ämter fort, die sich als feierl. Ritual abspielte. Zwischen 1360 und 1390 brachte Herrschaftsrechte an sich (u.a. Steuer, Zoll, Münze, Judensteuer, Vogtei, Schultheissenamt), was ihr zwar fakt. die Souveränität sicherte, wegen der verbliebenen, erst im 16. Jh. abgelösten bischöfl. Kompetenzen aber nicht zum Status einer freien Reichsstadt verhalf. Zusammen mit der weitgehenden Beseitigung der bischöfl. Herrschaft gelang es B. auch, die polit. Ansprüche Habsburgs abzuweisen.

Der Bevölkerung bemächtigte sich vom späten 14. Jh. an eine durch den gesellschaftl. Wandel, Interessenkonflikte und krisenhafte Erschütterungen ( Krise des Spätmittelalters ) genährte soziale Unrast, die sich in Parteikonflikten unter den Führungsgruppen und in Revolten der Handwerker gegen missliebige Personen und Gruppen entlud (z.B. Böse Fasnacht 1376, Städtische Unruhen ). Die Auseinandersetzungen, die von stets neu zusammengesetzten Konfliktgruppen getragen wurden und oft gegen die als korrupt geltende Oberschicht gerichtet waren, bewirkten bis um 1500 eine Stärkung der Zünfte im Rat, auch wenn das 1385 nach dem Vorbild Strassburgs errichtete Ammeisteramt, das durch seine Kontrollfunktionen (z.B. Stadtrechnung) den Zunfthandwerkern den Rücken stärken sollte, 1417 wieder aufgehoben wurde.

Einen wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung der Stadt bildete 1392 die Vereinigung mit Kleinbasel, ermöglicht durch die Erwerbung der bischöfl. Herrschaftsrechte. In den amtl. Akten spiegelt sich vom ausgehenden 14. Jh. an ein Ausbau des städt. Verwaltungs- und Militärwesens. Schreibgeschäfte oblagen der Kanzlei. Über den Finanzhaushalt liegen von 1360 an detaillierte Ausgaben- und Einnahmenrechnungen vor. Für öffentl. Aufgaben (z.B. Bau- und Münzwesen, Gewerbe- und Preiskontrolle, Wasserversorgung, Grenzmarkierungen) setzte der Rat städt. Beamte und Ratsausschüsse ein. Den Stadtfrieden sicherten Polizeibestimmungen gegen Lärm, Unfug, Waffentragen usw., die von den wenig beliebten Rats- oder Stadtknechten überwacht wurden. Sichtbaren Ausdruck fand der polit. und wirtschaftl. Aufstieg B.s in der Errichtung öffentl. Bauten (u.a. neues Rathaus um 1340, Zeughaus, Kornhaus, Werkhöfe, Spital) und v.a. des Äusseren Mauerrings am Ende des 14. Jh.

Gegen Katastrophen (Feuer, Eisgang auf dem Rhein, Überschwemmungen, krieger. Bedrohungen) erstellte der Rat im 15. Jh. Alarmvorschriften von allerdings zweifelhafter Wirksamkeit. Zur Stadtverteidigung waren den Zünften Abschnitte am Äusseren Mauerring zugewiesen. B. verfügte über ein Zeughaus, in dem vom späten 14. Jh. an eine relativ leistungsfähige Artillerie eingelagert war. Für militär. Unternehmungen im Feld stützte sich Basel ausser auf die Kontingente der Zünfte auch auf eine berittene Söldnertruppe und einbürgerungswillige Hintersassen.

Die polit. Selbständigkeit erlaubte der Stadt eine aktive Bündnis- und Territorialpolitik, was sie allerdings wiederholt in krieger. Konflikte verstrickte. Das Verhältnis zur Eidgenossenschaft gestaltete sich im 15. Jh. wechselhaft. Streitigkeiten gab es in der 2. Hälfte des 15. Jh. wiederholt mit Solothurn, dessen territorialpolit. Interessen im Sisgau mit denjenigen B.s kollidierten. Letztl. waren es die Erfahrungen aus dem Schwabenkrieg, die 1501 zum Anschluss an die Eidgenossenschaft führten ( Basel (Kanton) ). Werner Meyer

Kommunale Entwicklung im 16.-18. Jahrhundert
In den ersten drei Jahrzehnten des 16. Jh. erhielt die Basler Ratsverfassung ihre bis 1691 massgebl. Ausgestaltung: 1506 wurden nach mehrjährigem Streit um die Handfeste formelle Rechte des Bf. bei der Ratsbesetzung nochmals bestätigt, gleichzeitig aber Angehörige der fünfzehn Zünfte in das Kieserkollegium aufgenommen. Eine weitere Stärkung erfuhren die Zünfte 1515, als der Rat den Mitgliedern der patriz. Ges. der Hohen Stube alle Vorrechte beim Zugang zu polit. Ämtern entzog. 1516 wurde mit Jakob Meyer zum Hasen erstmals ein zünft. Ratsherr in das Bürgermeisteramt gewählt, das bis dahin ausschliesslich von Rittern und Achtburgern besetzt worden war.

1521 erfolgte der letzte und entscheidende Schritt auf dem Weg zur vollständigen Emanzipation der Stadt vom Bf.: Der Rat sagte sich einseitig von der bischöflichen Oberhoheit los und nahm die Ratsbesetzung sowie die Wahl der Häupter (zwei Bürgermeister, zwei Oberstzunftmeister) nun auch formell in eigener Kompetenz vor. Zudem wurde der -- freilich nur noch theoretisch -- Anspruch der Hohen Stube auf acht Ratssitze nicht mehr anerkannt. Der Pensionensturm, eine Auseinandersetzung um die Annahme franzöischer Gelder, führte im gleichen Jahr zum Ausschluss einiger prominenter Vertreter der drei Herrenzünfte (Kaufleute, Hausgenossen, Weinleute) aus dem Rat. Die Handwerkerzünfte vermochten dabei ihren Anteil an Ämtern und Kollegien gegenüber den im Handel und Geldgeschäft tätigen Herrenzünftern weiter zu vergrössern.

Nach 1520 zeigte sich in Basel offene Opposition gegen traditionelle Glaubensformen, indem gezielt Fastengebote gebrochen und Prozessionen gestört wurden. Im Rat bildete sich eine altgläubige Partei um den patriz. Bürgermeister Heinrich Meltinger und eine neugläubige Partei um den Oberstzunftmeister Jakob Meyer zum Hirzen. Dazwischen stand eine um Ausgleich bemühte Gruppe mit dem zweiten Bürgermeister Adelberg Meyer zum Pfeil. Die Reformation, die 1529 wesentl. auf Druck der Zunftgem. zum Durchbruch kam, brachte eine nochmalige Ratsumbildung: Zwölf altgläubige Vertreter der patriz.-herrenzünft. Führungsschicht mussten die Stadt verlassen. Ausserdem erfüllte der Rat teilweise die Forderungen der Zunftgem. nach mehr Einfluss auf die Wahl der Zunftvorstände, welche allein als Ratsmitglieder nachrücken konnten.

Bereits 1533 wurde aber dieses Zugeständnis an die Zunftbasis wieder rückgängig gemacht und für die Erneuerung der Zunftvorstände und des Rats wiederum das 1521 begr. und bis 1691 gültige Wahlverfahren bestätigt: Der Kl. Rat, der die Regierungsgewalt innehatte, bestand aus zwei jährl. wechselnden Hälften, die in der Regel gemeinsam tagten und als einheitl. Behörde auftraten. Jede Zunft stellte zwei Ratsherren und zwei Zunftmeister (einen für jede Hälfte). Den Vorsitz führten die Häupter, welche von beiden Ratshälften gemeinsam gewählt wurden. Die neuen Ratsherren wurden jedes Jahr von der abtretenden Ratshälfte gewählt, die neuen Zunftmeister von den Zunftvorständen. Zur Sanktionierung bestimmter Ratsbeschlüsse wurde sporad. der Gr. Rat einberufen, dem die zwölf Sechser einer jeden Zunft, die Vorstände der drei Kleinbasler Ehrenges. sowie die Schultheissen der beiden Stadtgerichte angehörten. Der Grosse Rat stellte damit vornehmlich eine erweiterte Vertretung der Zünfte dar und sollte insbesondere in Krisensituationen eine breitere Abstützung polit. Entscheidungen sichern. Die Zunftgenossen besassen -- abgesehen von zwei kurzen Phasen in der Reformationszeit und nach den revolutionären Änderungen von 1691 -- nur ein passives Wahlrecht, indem sie im Fall einer Vakanz im Zunftvorstand von diesem durch Kooptation als Sechser gewählt werden konnten. Offene Stellen im Kl. Rat wurden ebenfalls durch Kooptation ausschliessl. aus dem Kreis der Zunftvorstände neu besetzt.

Eine Vielzahl von Ratskomm. und -kollegien trugen die regulären Regierungs- und Verwaltungsaufgaben, die sich sowohl auf die Stadt wie auf das ländl. Untertanengebiet bezogen. Den bedeutendsten Ausschuss stellte der Dreizehnerrat (oder Geheime Rat) dar. Urspr. ein Kriegsrat, wurde er zum ständigen vorbereitenden und ausführenden Organ des Kl. Rats. Die wichtigsten Aufsichtsfunktionen im Bereich der Finanzverwaltung lagen bei den Dreierherren und nach 1616 bei der als übergeordnete Finanzbehörde neu geschaffenen "Haushaltung". Die Rechtsprechung in Zivilsachen übernahmen die beiden Stadtgerichte, d.h. die Schultheissengerichte von Gross- und Kleinbasel, in denen Angehörige des Kleinen wie des Grossen Rats als Urteilssprecher sassen. Die hohe Gerichtsbarkeit lag beim neuen Kl. Rat und den Urteilssprechern der Stadtgerichte. Die Siebnerherren führten die Voruntersuchung in Strafsachen, die vor den Kleinen Rat gelangten. Als Appellationsinstanzen schliessl. wirkten je nach Sachbezug Ausschüsse des Kleinen Rats, Revisoren und Appellationsherren. Neue Verwaltungsaufgaben ergaben sich für den Rat nach der Reformation aus der Aufsicht über kirchl.-soziale Institutionen (Pfleger, Deputatenamt, Kirchenrat) und aus der Besetzung des Bann- und Ehegerichts.

Ämter von geringerer Bedeutung (ein Teil der Landvogteien, Gerichtsstellen, Pflegerstellen) wurden auch ausserhalb des Kl. Rats an Zunftangehörige - in der Regel Zunftvorstände - vergeben. Aber alle wichtigen Funktionen konzentrierten sich in den Händen einer engeren polit. Führungsschicht innerhalb des Kl. Rats. Indem die Stellen im Zunftvorstand und im Rat auf Lebenszeit vergeben wurden und gelegentl. Ergänzungswahlen durch Kooptation erfolgten, verkleinerten sich die Aufstiegschancen von Angehörigen der Zunftgem. Die theoret. Regimentsfähigkeit aller zünftigen Bürger wurde zudem indirekt durch die allg. übliche Erhebung von Wahlgeldern und die unerlässl. Wahlbeeinflussung durch Bestechungsgelder eingeschränkt. Die Tendenz zur Oligarchisierung der Zunftherrschaft wird bereits in den 1530er Jahren erkennbar: Die Herrenzünfte vermochten ihr polit. Gewicht nach 1533 wieder auf Kosten der Handwerkerzünfte zu verstärken. Ausserdem vertiefte sich innerhalb der Handwerkerzünfte der soziale Abstand zwischen der Zunftgem. und den Spitzen im Vorstand und im Kl. Rat zunehmend. Die Möglichkeit, sich in zwei Zünfte einzukaufen (Doppelzünftigkeit), erlaubte es Angehörigen der Herrenzünfte, auch Ratsstellen von Handwerkerzünften zu besetzen und damit im 17. Jh. ein weitgehendes polit. Übergewicht der Grosskaufleute und Fabrikanten zu erringen.

Der einseitige Ausbau von Machtpositionen im Kl. Rat durch die Fam. Burckhardt und Socin war Anlass für die revolutionäre Bewegung des sog. 1691er Wesens. Es endete mit einer Umgestaltung der verfassungsmässigen Ordnung, die in der neuen Form bis 1798 Bestand hatte: Als bleibende revolutionäre Veränderung war der Gr. Rat (unter Einschluss des Kl. Rats 282 Mitglieder) die "Mehrere Gewalt", oberstes Staatsorgan und damit Inhaber der Souveränität. Er tagte nun regelmässig (ab 1718 monatl.) und konnte gesetzgeber. aktiv werden. Ihm standen die letzten Entscheidungen zu betreffend Aussenpolitik, Truppenaufgebote, Staatsverträge und Steuererhebung. Er wählte die Häupter und die Zunftratsherren. Er ernannte die Dreierherren, den Rats- und den Stadtschreiber, sämtl. Gesandten sowie die Direktoren der Schaffneien, und er besetzte die Landvogteien (ausgenommen die beiden Schultheissenstellen von Liestal). Dem Kl. Rat blieb neben der Besetzung der Vielzahl kleinerer Stellen die Wahl des Dreizehnerrats sowie die Besetzung der beiden Stadtgerichte. 1718 wurde die gezielte Beeinflussung der Wahlen und damit die Errichtung einer patriz. Familienherrschaft im engeren Sinn durch die Einführung des Loses in das Wahlverfahren prakt. verunmöglicht. Bezügl. der Rechtsetzung waren die Kompetenzen von Gr. und Kl. Rat nicht klar voneinander geschieden. In der Praxis blieb der Kl. Rat die eigentl. obrigkeitl. Behörde, welche mit ihren Komm. und Kollegien Regierung und Verwaltung übernahm. Zur Stabilisierung dieser polit. Ordnung trug bei, dass ein vergleichsweise grosser Teil der Bürgerschaft durch eine der zahlreichen Amtsfunktionen in das System eingebunden war. Hans Berner

Kommunale Entwicklung von der Helvetik bis zur Kantonstrennung
Mit der Einführung eines einheitl. schweiz. Bürgerrechts in der Helvetik erfolgte auch in Basel die Aufteilung in zwei Gemeindekörperschaften: die Einwohnergem. ("Munizipalität") und die Bürgergem. Deren Grösse entwickelte sich unterschiedl. (Anteil der Bürger an der Stadtbevölkerung 1779 51%, 1815 37%). In Basel komplizierte sich dieses Nebeneinander dadurch, dass in der Tradition des Stadtstaats viele kommunale Angelegenheiten kant. geregelt wurden.

Verwaltungsmässig kam diese Dualität in der Helvetik allerdings kaum zum Tragen, und in der Mediation wurde sie durch die Schaffung einer einzigen "Stadtgem." vorübergehend zurückgenommen. Deren Organe (Gr. Stadtrat mit 64 Mitgliedern, Kleiner Stadtrat mit 24 Mitgliedern) wurden nach einem Zensus gewählt; wählbar waren nur vermögende Stadtbürger. 1828 erfolgten eine Erweiterung des Gr. Stadtrats um 32 Mitglieder und eine Beschränkung auch des aktiven Wahlrechts auf Stadtbürger.

Zu Auseinandersetzungen kam es bei der Ausscheidung von Staats- und Gemeindegütern nach der Helvetik. Der Stadtgem. wurden neben Liegenschaften und Waldungen auch das Bürgerspital und das Waisenhaus zugewiesen. Für die laufenden Ausgaben wurden ihr versch. Abgaben und Zollrechte überlassen. Deren Umfang war umstritten, richtete sich jedoch nach dem vorgesehenen Aufgabenbereich. Dieser umfasste sowohl munizipale Angelegenheiten (Polizei, Bauwesen, städt. Infrastruktur) als auch jene der Bürgergem. (Bürgerspital, Waisenhaus, Armenpflege). Ruedi Brassel-Moser


Texte vom Historischen Lexikon der Schweiz, Bern.


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